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Fibromyalgie-Syndrom
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Schmerz in all seinen Facetten

Die Beschwerden des Fibromyalgie-Syndroms sind subjektiv und lassen sich nur schwer in ein Schema F pressen. Grundlegende Mechanismen dieser chronischen Schmerzerkrankung werden zwar immer besser, aber dennoch bislang nur in Ansätzen verstanden. Entsprechend unbefriedigend sind die Behandlungserfolge. Medikamente können helfen, aber nur als Teil einer multimodalen Therapie und individuell eingesetzt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 20.02.2026  16:00 Uhr

Neuronendämpfung per Arznei

Auch die medikamentöse Behandlung funktioniert nicht nach Schema F, zumal 30 bis 40 Prozent der Betroffenen auf Arzneistoffe gar nicht ansprechen. Zudem gibt es in Deutschland bislang keine Medikamente, die für die Indikation FMS eine Zulassung haben. Anders in den Vereinigten Staaten; dort sind Pregabalin, Duloxetin und Milnacipran sowie seit wenigen Monaten sublinguales Cyclobenzaprin eigens für diese Indikation zugelassen.

Was bedeutet das für die Therapie hierzulande? Die Tatsache, dass das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin in Deutschland für die Behandlung »depressiver Erkrankungen« und für die »langfristige Schmerzbehandlung im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts« zugelassen ist, helfe bei der Verordnung gegen FMS, sagte Jakob Emrich. »Das macht das Oldschool-Medikament Amitriptylin – noch eher als die gabapentoiden Antiepileptika – zum Mittel der ersten Wahl, wenn man eine medikamentöse Therapie in Betracht zieht.«

Laut einer Metaanalyse von 2022 erzielte das Antidepressivum (10 bis 50 mg/Tag) im Vergleich zu Pregabalin (150 bis 450 mg/Tag) und Duloxetin (60 mg/Tag) als einziges Medikament eine 50-prozentige Schmerzlinderung. Wichtig sei die Verabreichung per Tropfenzubereitung, um schleichend auftitrieren und Nebenwirkungen vermeiden zu können. Die abendliche Gabe eine Stunde vor dem Schlafengehen wirke schlafinduzierend, berichtete er von seinen Erfahrungen.

Die antikonvulsiven Calciumkanalmodulatoren Pregabalin und Gabapentin sowie die selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin und Milnacipran bezeichnete er als bedeutende Coanalgetika zur Behandlung von peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen, insofern hätten sie auch in der FMS-Therapie ihren Platz. Dokumentiert sei eine Schmerzminderung von etwa 30 bis 40 Prozent. Die analgetische Wirkung erklärt man sich über eine Dämpfung der neuronalen Übererregbarkeit von Nervenzellen, ohne die normale neuronale Aktivität zu beeinflussen.

In der Praxis habe es sich bewährt, Arzneistoffe in niedriger Konzentration zu kombinieren, zumindest niedriger dosiert als in der noch nicht überarbeiteten S3-Leitlinie von 2017 angegeben. »Bei Pregabalin empfiehlt es sich etwa, mit nur 25 mg zur Nacht zu beginnen und schrittweise hoch zu dosieren. Die Erfahrung zeigt, dass dann oft 50 oder 75 mg ausreichend wirksam sind. So umgeht man die Problematik, dass Pregabalin unangenehm sedierend wirkt, wo viele Patienten ohnehin eine gewisse Müdigkeit oder Antriebslosigkeit mitbringen. Es ist deshalb lohnend, sich langsam heranzutasten, auch indem man Kombinationen aus niedrig dosiertem Pregabalin, Duloxetin und/oder Amitriptylin fährt. Das obliegt der Behandlungskompetenz des Therapeuten.« Auch der Gewichtszunahme, die für FMS eingesetzten Arzneistoffe mit sich bringen, könne man so gut entgegenwirken.

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