| Caroline Wendt |
| 27.08.2026 10:00 Uhr |
Da Schwangere aufgrund der immunologischen Veränderungen während der Schwangerschaft ein höheres Risiko für schwere Verläufe der Grippe haben, empfiehlt die STIKO ausdrücklich eine Immunisierung gegen Influenza. Die Impfung sollte idealerweise Anfang des zweiten Trimenons erfolgen. Schwangere mit einer Grunderkrankung wie Asthma oder Diabetes sollten bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Impfung erhalten.
Die STIKO empfiehlt Frauen im gebärfähigen Alter einen vollständigen Schutz gegen Covid-19 bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft. Fehlende Impfungen können ab dem zweiten Trimenon mit einem mRNA-Impfstoff nachgeholt werden.
Eine klare Empfehlung für eine Impfung gibt es seit 2022 auch zur Immunisierung gegen Keuchhusten (Pertussis) – unabhängig davon, wie der Impfstatus der Mutter ist. Denn hier geht es um den sogenannten Nestschutz des Neugeborenen. Erhalten Schwangere im dritten Trimenon (ab der 28. SSW) eine Impfung, können die mütterlichen Antikörper über die Plazentaschranke an den Feten weitergegeben werden. Dieser hat dann über die Geburt hinaus einen gewissen Schutz vor einer Infektion. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, sollte die Impfung bereits im zweiten Trimenon erfolgen.
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist eine hochansteckende Infektion, die insbesondere bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten schwere Atemwegsinfektionen, oft verbunden mit Krankenhausaufenthalten, mit sich bringt.
Ein RSV-Impfstoff ist in der Europäischen Union für Schwangere zwischen der 24. und 36. SSW zugelassen. Über den Nestschutz können Neugeborene in den ersten Lebensmonaten von den mütterlichen Antikörpern profitieren. Aufgrund der bislang noch begrenzten Datenlage empfiehlt die STIKO die RSV-Impfung derzeit jedoch nicht für Schwangere (Redaktionsschluss: 27. August 2026). Eine erneute Bewertung der verfügbaren Daten soll noch 2026 erfolgen.
Bis dahin empfiehlt die STIKO für alle Neugeborenen und Säuglinge eine einmalige passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab vor oder während ihrer ersten RSV-Saison.
Keuchhusten in der Schwangerschaft kann das Risiko für frühzeitige Wehen erhöhen. Zudem können Säuglinge selbst erst ab einem Alter von zwei Monaten gegen die hochansteckende Krankheit geimpft werden und sind deshalb auf den Schutz der Mutter angewiesen. Erkranken Neugeborene, erleiden sie häufig einen schweren Verlauf mit Atemaussetzern (Apnoe), Lungenentzündung (Pneumonie), Ohrentzündung, Funktionsstörungen des Gehirns (Enzephalopathie) und Lungenhochdruck. Auch Todesfälle sind möglich. Eine Impfung der Mutter in der Schwangerschaft kann das Erkrankungsrisiko von Neugeborenen und jungen Säuglingen um rund 90 Prozent senken. Auch enge Kontaktpersonen sollten über einen aktuellen Pertussis-Impfschutz verfügen, um das Neugeborene zusätzlich zu schützen.
In Deutschland gibt es allerdings keinen Einzelimpfstoff gegen Pertussis. Schwangeren stehen Drei- oder Vierfachimpfstoffe zur Verfügung, die zusätzlich gegen Tetanus und bei Bedarf auch gegen Kinderlähmung (Polio) schützen.