| Verena Schmidt |
| 26.08.2026 14:00 Uhr |
Eine Impfung gegen das West-Nil-Fieber gibt es derzeit nicht. Es kommt vor allem auf einen guten Mückenschutz an. Dazu zählt, Kleidung zu tragen, die möglichst viel Haut bedeckt, und freie Hautstellen mit einem Repellent zu schützen. / © Getty Images/LordHenriVoton
Das West-Nil-Fieber, ausgelöst durch das gleichnamige Virus, ist eine Zoonose, die in verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommt. Das Virus gelangte über Zugvögel aus tropischen und subtropischen Gebieten nach Europa, wo es sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet hat. In Deutschland wurde das Virus laut Robert-Koch-Institut (RKI) 2018 erstmals bei Vögeln und Pferden gefunden. Seit 2019 wurden dann auch hierzulande durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle (autochthon) beim Menschen registriert.
In Südeuropa wird das Virus seit langem vor allem im Sommer übertragen. Häufig betroffen sind Italien, Griechenland, Frankreich und weite Teile des Balkans. In diesem Sommer hätten bisher 99 Regionen in zwölf europäischen Ländern Infektionen mit dem West-Nil-Virus verzeichnet (Stand 21. August 2026), meldet das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in seinem wöchentlichen Report. Das sind deutlich mehr als noch im Jahr zuvor. 2025 hatten neun europäische Länder Infektionen gemeldet, insgesamt waren 67 Regionen betroffen. Besonders in Italien und Griechenland gibt es in diesem Jahr viele Fälle: Italien hat laut ECDC bislang 311 Fälle gemeldet; in Griechenland hat sich die Zahl der Infektionen seit Ende Juli vervierfacht, es gibt insgesamt 157 bestätigte Infektionen, und 13 Menschen sind nach einer Infektion gestorben.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die europäischen Länder schon im Juli zu verstärkter Wachsamkeit aufgerufen. Für die meisten Menschen sei das Risiko einer Infektion zwar gering, doch alle, die in einem betroffenen Gebiet leben oder dorthin reisen, sollten grundlegende Vorkehrungen zur Vermeidung von Mückenstichen treffen und die Anzeichen für eine schwere Erkrankung kennen, falls sie selbst oder Personen aus ihrem näheren Umfeld erkranken.
Infektionen verlaufen überwiegend asymptomatisch oder mit milden Beschwerden. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln laut RKI eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Der Krankheitsbeginn ist abrupt mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Bei etwa der Hälfte der Erkrankten findet sich ein blasser, makulopapulöser Hautausschlag, der sich vom Stamm zum Kopf und zu den Gliedmaßen ausbreitet.
Etwa 1 Prozent der Infizierten erkrankt schwer an der neuroinvasiven Form, dabei kann es zu einer Meningitis und selten zu einer Enzephalitis kommen – häufig mit bleibenden Spätfolgen. Bei der neuroinvasiven Form verläuft das West-Nil-Fieber bei bis zu 10 Prozent tödlich, vor allem Ältere und Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung oder einer Immunsuppression sterben daran.
Behandelt wird das West-Nil-Fieber symptomatisch. Insbesondere älteren oder immungeschwächten Personen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, wird in betroffenen Gebieten ein konsequenter Schutz vor Mückenstichen empfohlen: bei bekannter Mückenbelastung langärmelige Hemden/Blusen und lange Hosen tragen, sich am Abend in geschlossenen oder klimatisierten Räumen aufhalten, Repellents und Insektizide anwenden und Moskitonetze und Fenstergitter anbringen. Mückenbrutplätze, also stehende Wasseroberflächen etwa in Regentonnen, Blumenuntersetzern oder Eimern, sollten möglichst beseitigt werden.