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Ursachensuche
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Schwindel – von harmlos bis gefährlich

Schwindel kann hilflos machen und den Alltag stark einschränken. Die Ursachensuche ist selbst für Mediziner oft eine Herausforderung. Spezialisierte Zentren können helfen.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 01.09.2023  15:00 Uhr

Arzneimittel als Auslöser

Nicht zu vergessen ist, dass Schwindel auch medikamenteninduziert sein kann. Die Nebenwirkung kann bei Arzneistoffen auftreten, die den Blutkreislauf, die Sauerstoff- beziehungsweise Nährstoffversorgung, die Sinnesorgane oder das Nervensystem beeinflussen. Dabei handelt es sich meistens um orthostatischen Schwindel oder Benommenheit. Patienten, die Antihypertensiva einnehmen, kennen es zum Beispiel häufig, dass ihnen schwindelig wird, wenn sie sich zu schnell aufrichten. Bei ihnen sinkt der Blutdruck plötzlich stark ab. Dreh- oder Schwankschwindel treten als Nebenwirkung seltener auf.

»Wenn der Verdacht eines medikamenteninduzierten Schwindels besteht, sollte zunächst ärztlicherseits eine andere Ursache ausgeschlossen werden«, sagt die Expertin. Es sei auch möglich, dass nicht nur ein Medikament, sondern eine Kombination von Medikamenten die Beschwerden verursacht. »Unter Umständen kann eine Umstellung oder Reduktion der Medikation hilfreich sein.«

Indikation / Wirkort Arzneimittelklassen
ZNS und Bewegungsapparat Antiepileptika
Analgetika
Tranquilizer
Muskelrelaxantien
Hypnotika
Antiemetika
Antidepressiva
Anticholinergika
Dopaminagonisten
Antiphlogistika
Lokalanästhetika
Infektionen Antibiotika
Tuberkulostatika
Antimykotika
Anthelminthika
Herz und Gefäße Betarezeptorenblocker
Antihypertonika
Vasodilatatoren, -konstriktoren
Niere und Blase Diuretika
Spasmolytika
Sonstige Antiallergika
Röntgenkontrastmittel
Prostaglandine
Medikamente und Schwindel; in der DEGAM-Leitlinie sind Medikamente aufgeführt, die Schwindel als Nebenwirkung auslösen können.

Gift für das Gehör

Wenn der Arzt ototoxische Arzneimitteln verordnet, ist besonders auf Symptome wie verminderte Hörwahrnehmung, Schwindel und Gangunsicherheit zu achten. Medikamente, die wie Aminoglykoside schädigend auf das Innenohr wirken können, können Störungen wie eine bilaterale Vestibulopathie verursachen. Sie entsteht, wenn beide Gleichgewichtsorgane beziehungsweise -nerven komplett ausfallen oder nicht mehr richtig funktionieren. Patienten beschreiben einen bewegungsabhängigen Schwankschwindel und fühlen sich beim Gehen und Stehen unsicher. Sitzen oder liegen sie, bessern sich die Beschwerden.

Die geschädigten Strukturen lassen sich nicht mehr wiederherstellen. Betroffene können jedoch mit einer spezialisierten Physiotherapie lernen, ihren Alltag wieder bewältigen zu können. Wenn ototoxische Arzneimittel verschrieben werden, kann das Apothekenteam durch regelmäßige Nachfragen dabei unterstützen, dass Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden und weiteren Schädigungen vorgebeugt werden kann. Denn wie wichtig der Gleichgewichtssinn ist, merken viele Menschen erst, wenn er nicht mehr richtig funktioniert und alles wankt oder sich dreht.

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