Damit der Körper oral verabreichtes Semaglutid aufnehmen kann, enthalten die Tabletten (Rybelsus und Wegovy) den Hilfsstoff und Resorptionsvermittler Salcaprozat-Natrium (SNAC, Natrium-N-[8-(2-Hydroxybenzoyl)amino]caprylat). Auf welche Weise SNAC das Peptid ins Blut bugsiert, ist jedoch nicht vollständig geklärt.
Beim diesjährigen Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming erklärte Dr. Anne Seidlitz, Professorin für Pharmazeutische Technologie an der Freien Universität Berlin, mögliche Mechanismen. Sie zitierte eine Publikation, die 2021 im Fachjournal »Acta Pharmaceutica Sinica B« erschienen ist (DOI: 10.1016/j.apsb.2021.04.001). Demnach erfolgt die Resorption transzellulär: Dazu geht SNAC mit Semaglutid eine nicht kovalente Bindung ein. Der Komplex wird dann von Epithelzellen aufgenommen und in das Blut abgegeben. Dort wird SNAC wieder abgespalten und Semaglutid freigesetzt.
In der Publikation werden jedoch auch Studienergebnisse erwähnt, wonach die SNAC-vermittelte Resorption möglicherweise durch eine kurzzeitige Öffnung der Tight Junctions zwischen den Epithelzellen, also parazellulär, vonstattengeht. Doch selbt eine kurzfristige Auflösung der Tight Junctions könnte auch anderen Molekülen einen weitgehend unkontrollierten Weg in den Organismus eröffnen, bemerkte Seidlitz, was sehr bedenklich wäre. Mit der Erklärung, dass die Resorption transzellulär erfolgt, fühle sie sich daher deutlich wohler.
Bemerkenswert sei bei den oralen Semaglutid-Formulierungen auch der Resorptionsort: »Laut Herstellerangaben wird es im Magen resorbiert. Das ist sehr ungewöhnlich, denn im Magen wird normalerweise nichts resorbiert.«