| Katja Egermeier |
| 21.08.2026 16:00 Uhr |
Wenige Minuten pro Tag zu singen und dabei auf die Atmung zu achten, kann die Beschwerden von ständigem Aufstoßen erheblich verringern. / © Getty Images/Bogdan Stanojevic
Supragastrisches Rülpsen (»supragastric belching«) ist eine Form des funktionellen Aufstoßens, bei der der Magen nicht beteiligt ist. Dabei wird Luft in die Speiseröhre eingesogen oder gedrückt und unmittelbar wieder ausgestoßen. Der Vorgang läuft meist unbewusst ab und kann sich im Laufe der Zeit zur Gewohnheit entwickeln. Besonders in Stresssituationen kann das Aufstoßen sehr häufig auftreten – in schweren Fällen bis zu 1000-mal am Tag.
Behandelt wird supragastrisches Aufstoßen vor allem mit verhaltenstherapeutischen Verfahren. Dazu gehören unter anderem Übungen zur Zwerchfellatmung, die in internationalen Empfehlungen als Behandlungsoption genannt werden. Eine randomisierte, multizentrische Studie, die im Juli 2026 im Fachjournal »Clinical Gastroenterology and Hepatology« veröffentlicht wurde, hat nun untersucht, ob eine überraschend einfache Alternative ähnlich gut oder sogar besser helfen könnte: eine strukturierte Gesangstherapie.
Das Forschungsteam um Tao Bai vom Tongji Medical College in Wuhan verglich dazu beide Ansätze. An der Studie nahmen 72 Menschen mit supragastrischem Aufstoßen (Rom-IV-Kriterien) teil, die nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 1:1 entweder der Zwerchfellatmung oder einer strukturierten Gesangstherapie zugeordnet wurden. Die Gesangsgruppe sollte dreimal täglich fünf Minuten lang einfache, vertraute Melodien singen und gleichzeitig auf die Ausdehnung des Bauches beim Einatmen achten.
Primärer Endpunkt war der Rückgang der Aufstoßbeschwerden um mindestens 50 Prozent. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Lebensqualität sowie Angst, Depression und die Schwere gastrointestinaler Symptome. Erfasst wurden die Ergebnisse zu Studienbeginn, nach Behandlungsende (1 Woche) und nach der Nachbeobachtungszeit von einem Monat.
Das Ergebnis: Beide Gruppen profitierten von der Behandlung. Bereits nach einer Woche war die Ansprechrate bei der Gesangsgruppe jedoch signifikant höher als bei der Gruppe mit Zwerchfellatmung: 72,2 Prozent versus 38,9 Prozent. Auch bei der Nachuntersuchung nach einem Monat blieb der Vorteil der Gesangstherapie bestehen, wenngleich die Ansprechraten in beiden Gruppen etwas zurückgingen. Zu diesem Zeitpunkt erfüllten noch 50 Prozent der Teilnehmenden aus der Gesangsgruppe das Ansprechkriterium, verglichen mit 30,6 Prozent in der Gruppe mit Zwerchfellatmung.
Auch bei der Lebensqualität schnitt die Gesangstherapie besser ab: Die Teilnehmenden berichteten nach Abschluss der Behandlung über eine stärkere Verbesserung als die Vergleichsgruppe mit Zwerchfellatmung. Zudem wurde die Gesangstherapie von den Betroffenen besser akzeptiert.
In ihrem Fazit kommen die Forschenden zu dem Schluss, dass die strukturierte Gesangstherapie der Zwerchfellatmung bei supragastrischem Aufstoßen überlegen war. Besonders gut sprachen dabei ältere Menschen mit schweren Symptomen auf die Therapie an.