| Barbara Döring |
| 07.09.2026 08:00 Uhr |
Ein Wetterwechsel wirkt sich nicht selten auf die Haut aus – vor allem bei Erkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder Rosazea. / © Getty Images/Icy Macload
Steigen oder fallen die Temperaturen innerhalb weniger Tage deutlich, macht sich das oft an der Haut bemerkbar. Sie spannt, fühlt sich rau an oder reagiert empfindlicher als sonst. Manche Menschen beobachten auch vorübergehend mehr Unreinheiten. Solche Veränderungen sind meist kein Grund zur Sorge. Sie zeigen vielmehr, dass sich die Haut an neue Umweltbedingungen anpasst.
Die Haut bildet die äußere Schutzbarriere des Körpers. Ihre oberste Schicht, das Stratum corneum, verhindert, dass Krankheitserreger eindringen und zu viel Wasser verloren geht. Wetterumschwünge stellen diese Barriere vor Herausforderungen. Der wichtigste Mechanismus hinter dem typischen Spannungsgefühl bei klimatischen Veränderungen ist der sogenannte transepidermale Wasserverlust (TEWL). Darunter versteht man die kontinuierliche Verdunstung von Wasser über die Hautoberfläche. Dieser Prozess ist physiologisch und notwendig. Wird die Umgebungsluft jedoch trockener, entsteht ein stärkeres Feuchtigkeitsgefälle zwischen Haut und Umgebung. Das passiert häufig beim Wechsel vom Sommer zum Herbst, mit Beginn der Heizperiode, bei kalter Winterluft oder beim Wechsel in klimatisierte Räume.
Dann verdunstet mehr Wasser über die Epidermis. Die Folge können eine trockene, schuppige oder gespannte Haut und feine Risse in der Hautbarriere sein. Wind kann den Wasserverlust verstärken. Bei Kälte und trockener Luft kann der schützende Hydrolipidfilm beeinträchtigt werden. Dadurch wird der natürliche Schutzfilm der Haut geschwächt. Kleine Risse erleichtern das Eindringen von Reizstoffen und Bakterien. Auch zu viel Hitze ist für die Haut anstrengend. Hohe Temperaturen und Schwitzen führen zu Hitzestau und reizen die Haut. Keime und Pilze können sich leichter vermehren.
Bei sinkenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit profitieren viele Menschen von reichhaltigeren Pflegeprodukten mit einem höheren Lipidgehalt. Sie unterstützen die Hautbarriere und helfen, den Feuchtigkeitsverlust zu verringern. Bei empfindlicher oder bereits gereizter Haut sind möglichst reizarme Formulierungen ohne Parfüm empfehlenswert. Je nach Hautzustand können unterschiedliche Wirkstoffe die Hautpflege sinnvoll ergänzen: Ceramide stärken die Hautbarriere, während Glycerin und Harnstoff (Urea) Wasser in der Hornschicht binden und so den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessern. Dexpanthenol unterstützt die Regeneration gereizter Haut, während Polidocanol Juckreiz lindern kann.
Bei der Hautpflege ist auch an die Hände zu denken. Kälte und trockene Heizungsluft können trockene, rissige Stellen und sogar Handekzeme begünstigen. Eine rückfettende Handcreme wird möglichst nach jedem Händewaschen aufgetragen, vor allem bei vorgeschädigter Haut. Dafür eignen sich schnell einziehende Formulierungen, die intensiv pflegen, ohne einen störenden Fettfilm zu hinterlassen (wie Eucerin AtopiControl Hand Intensiv-Creme). Auch Cremes mit hautidentischen Lipiden wie Ceramiden und feuchtigkeitsbindender Hyaluronsäure können die Regeneration der Hautbarriere unterstützen (wie CeraVe Regenerierende Handcreme).
Für eine schonende Reinigung eignen sich pH-hautneutrale Syndets oder rückfettende Reinigungsprodukte (wie Eucerin pH5 seifenfreies Waschstück, Lipikar Dusch- und Badeöl AP+). Generell gilt, dass regelmäßiges Lüften, eine ausreichende Luftfeuchtigkeit in Innenräumen und genug Trinken dazu beitragen können, die Haut zu entlasten. Zwar erhöht eine hohe Flüssigkeitsaufnahme allein den Feuchtigkeitsgehalt gesunder Haut nicht unmittelbar, sie verbessert jedoch die Durchblutung und unterstützt den Stoffwechsel.
Ist die Hautbarriere bereits gestört kann sie sich nicht mehr so gut an Wetterwechsel anpassen. Menschen mit chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis (atopische Dermatitis), Psoriasis oder Rosazea berichten daher häufig, dass sich ihre Beschwerden bei einem Wetterumschwung verschlechtern. Bei Neurodermitis produziert die Haut weniger Barrierefette und häufig auch weniger Filaggrin als gesunde Haut. Das Strukturprotein stabilisiert die Haut und bindet Feuchtigkeit. Mangelt es an Filaggrin, verliert die Haut mehr Wasser und kann Reizstoffe, Allergene oder Krankheitserreger schlechter abwehren. Ein Wetterumschwung verstärkt dieses Problem. Die Folge sind Spannungsgefühl, Ekzeme und ein oft quälender Juckreiz.
PTA können für die Hautpflege in Herbst und Winter reichhaltigere Cremes empfehlen, welche die Hautbarriere stärken und den Feuchtigkeitsverlust verringern. Bewährt haben sich Produkte mit pflegenden Fettsäuren und die Hautbarriere unterstützenden Wirkstoffen (wie Physiogel Calming Relief A.I. Creme, Linola Hautmilch). Produkte für die Basispflege sollten möglichst innerhalb weniger Minuten nach dem Duschen oder Baden aufgetragen werden. So lässt sich die noch vorhandene Feuchtigkeit in der Haut einschließen. Vor dem Aufenthalt im Freien können wasserarme Kälteschutzcremes sinnvoll sein. Sie bilden einen atmungsaktiven Schutzfilm, der den Feuchtigkeitsverlust vermindern kann. Treten trotz konsequenter Basispflege Juckreiz oder erste Entzündungszeichen auf, beruhigen cortisonfreie Akutpflegeprodukte die Haut (wie Bepanthen Sensiderm Anti-Juckreiz Creme).
Bei Psoriasis ist eine fehlgeleitete Immunreaktion die Ursache für die Hautbeschwerden. Die Oberhaut erneuert sich innerhalb weniger Tage statt innerhalb von etwa vier Wochen. Silbrig-weiße Schuppen auf geröteten, entzündeten Plaques sind die Folge. Viele Betroffene bemerken im Herbst und Winter eine Verschlechterung. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Luft ist trockener, die Hautbarriere wird stärker belastet, und gleichzeitig fehlt häufig die natürliche UV-Strahlung, die entzündungshemmend wirkt. Die dicken Schuppenschichten verhindern häufig, dass Arzneistoffe bis zur entzündeten Haut gelangen.
Da trockene Luft und Kälte die Schuppenbildung verstärken können, sind feuchtigkeitsbindende und leicht keratolytisch wirkende Pflegeprodukte sinnvoll. Cremes oder Lotionen mit Harnstoff (Urea) helfen, Wasser in der Haut zu speichern und verhornte Hautstellen aufzuweichen (wie Excipial U10 Lipolotio). Zur ergänzenden Pflege leichter bis mittelschwerer Plaques können kortisonfreie Medizinprodukte eingesetzt werden, welche die Hautregeneration unterstützen und entzündete Haut beruhigen (wie Alnovat Creme). Wichtig ist, die Haut regelmäßig rückfettend zu pflegen, Schuppen nicht gewaltsam zu entfernen und auf reizende Reinigungsprodukte zu verzichten.
Auch Rosazea macht bei Wetterumschwüngen mehr Probleme. Die chronisch-entzündliche Erkrankung äußert sich mit anhaltenden Rötungen, sichtbaren Äderchen und entzündlichen Papeln und Pusteln im Gesicht. Dass Wetterumschwünge Rosazea verschlechtern, hängt mit einer gestörten Gefäßregulation zusammen. Kälte führt zunächst zu einer Gefäßverengung, Wärme dann zu einer raschen Gefäßerweiterung. Diese Wechsel können sogenannte Flushs auslösen, also plötzliche Rötungen mit Hitzegefühl oder Brennen. Viele Betroffene verwenden im Winter besonders reichhaltige Fettcremes. Das ist bei Rosazea jedoch nicht immer sinnvoll, da ein Hitzestau die Beschwerden verstärken kann.
Geeigneter sind leichte, gut verträgliche Formulierungen, welche die Hautbarriere stärken und empfindliche Haut beruhigen. Ebenso wichtig ist ein konsequenter UV-Schutz, denn auch im Winter kann UV-Strahlung, die durch die Reflexion von Schnee verstärkt wird, Rosazea-Schübe begünstigen. Tagespflegeprodukte mit hohem Lichtschutzfaktor bieten daher einen doppelten Nutzen: Sie schützen vor UV-Strahlung und können Rötungen durch grüne Farbpigmente optisch ausgleichen (wie Dermasence RosaMin Tagespflege LSF 50). Zusätzlich sollten Betroffene starke Temperaturwechsel möglichst vermeiden und die Haut mit milden, parfumfreien Produkten reinigen.
Nicht jede Verschlechterung des Hautbildes lässt sich mit einer intensiveren Hautpflege auffangen. Nehmen Juckreiz, Schmerzen oder Entzündungen trotz konsequenter Pflege zu oder entstehen nässende Ekzeme, ausgeprägte Schuppen oder entzündliche Knoten, sollten Betroffene einen Dermatologen aufsuchen. Eine frühzeitige Behandlung kann verhindern, dass sich ein leichter Schub zu einer schwer kontrollierbaren Entzündung entwickelt.