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Sport mit Parkinson
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Tanzen verbessert Beweglichkeit und Lebensfreude

In einem Museum in Frankfurt tanzen Menschen mit Parkinson gegen ihre Krankheit an. Ihnen hilft die Bewegung – aber vor allem auch das Miteinander.
AutorKontaktdpa
Datum 01.03.2026  10:00 Uhr

Gemeinsam die Krankheit begreifen

Zur Tanzstunde füllt sich der Saal im Museum, zum Schluss kommen noch zwei Musikerinnen, die für Livemusik während des Kurses sorgen. Gestartet wird sitzend auf Stühlen, so dass jeder mitmachen kann. Füße heben, Arme strecken, atmen.

Miriam Karpf leitet die Stunde im Wechsel mit Elvira Thiess. Die Tanzvermittlerin beginnt mit einem Warm-up. »Dann machen wir ein paar Stretching-Einheiten. Gerade beim Parkinson ist es gut, wenn man ausladende Bewegungen macht, weil da die Muskelversteifung dabei ist und alles eher ein bisschen kleiner wird«, erklärt Karpf. »Genauso gut sind auch Koordinationsübungen.«

Das Tanzen bringe den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Lebensfreude, es sei auch gut für die Balance und den Gleichgewichtssinn. Neurologische Patientinnen und Patienten könnten beim Sport keinen Druck gebrauchen, sagt sie. Wichtig sei, dass der Spaß im Vordergrund stehe und die Krankheit auch mal vergessen werden dürfe.

»Die mentale Komponente ist immens wichtig«

Simon Baudrexel, Oberarzt an der Uniklinik Frankfurt und Leiter der Ambulanz Bewegungsstörungen, hält Bewegung bei Parkinson-Patienten für wichtig. Ein Baustein der Behandlung seien Medikamente. Aber wahrscheinlich mindestens genauso wichtig sei häufige Bewegung.

»Aerobes Ausdauertraining hat einen nachgewiesen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf«, sagt er. Krafttraining und Koordinationstraining seien auch bedeutend.

Ein Fitnessstudio sei nicht jedermanns Sache. Da helfen Sportarten wie Tischtennis oder Tanzen, um Spaß an der Bewegung zu haben, wie der Mediziner sagt. »Die mentale Komponente ist ja auch immens wichtig.« Parkinson-Patienten neigten zu Antriebslosigkeit und Depressionen. Auch dagegen helfe Tanzen. Es gebe Studien, die gezeigt hätten, dass sich regelmäßiges Tanzen nachhaltig auf die Kognition auswirke.

»Ich hab mir meinen Optimismus bewahrt«

Dorothea Kronenberger hat nach eigener Aussage einen langsamen Verlauf. Von ihrer Diagnose war sie aber überrascht: »Zumal ich selbst die allerersten Symptome nicht so gemerkt habe. Freundinnen haben mich drauf angesprochen, ob ich merken würde, dass ich zittere oder ob ich nervös sei.«

»Das macht auch was mit mir, wenn ich hier in der Gruppe sehe, wie unterschiedlich wir alle drauf sind und wo auch die Reise hingehen kann«, erzählt die 67-Jährige. Die Lebensfreude aber habe sie sich nicht nehmen lassen. Und ohne die könnte sie nicht weitermachen, sagt sie.

»Ich tanz' sowieso für mein Leben gerne«, sagt Kronenberger. »Ich bewege mich sehr gerne.« Parkinson sei eine sehr individuelle Krankheit. »Jeder Parkinson ist anders.« Es sei aber auch ein wenig Einstellungssache, wie man mit der Krankheit umgeht, sagt sie. »Ich hab mir meinen Optimismus bewahrt.«

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