Bei Kindern kann sich eine Kurzsichtigkeit entwickeln, während der Augapfel wächst. / © Getty Images/ozgurcankaya
Auch wenn die Dioptrienzahl bei einzelnen Messungen unterschiedlich sein kann, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Kurzsichtigkeit zurückgeht. Mögliche Gründe sind Tagesform und Messbedingungen.
Bei Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, werden entfernte Objekte unscharf wahrgenommen. Sie entsteht in der Regel dadurch, dass der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang ist. Das einfallende Licht wird dann nicht auf der Netzhaut, sondern davor gebündelt. Gegenstände in der Nähe werden scharf gesehen, in der Ferne erscheinen sie ohne Brille oder andere Sehhilfen verschwommen.
Das ausgewachsene menschliche Auge ist nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) im Durchschnitt etwa 24 Millimeter lang. Bei Kindern kann sich eine Kurzsichtigkeit entwickeln, während der Augapfel wächst. Laut der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) spielen dabei sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle.
Mehr Zeit im Freien – also bei Tageslicht – kann den Beginn einer Myopie verhindern oder verzögern, wie Studien zeigten. Lange Naharbeit etwa an Bildschirmen hingegen wird mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit in Verbindung gebracht.
Tageslicht kann somit in der Kindheit helfen, einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Eine bereits entstandene strukturelle Veränderung des Augapfels macht es aber nicht rückgängig. Auch für Erwachsene gilt: Selbst sehr viel Aufenthalt im Sonnenlicht lässt eine bestehende Myopie nicht wieder verschwinden.
Auch Augentraining kann die Länge des Augapfels nicht relevant verkürzen: Eine im Fachjournal »Eye« veröffentlichte Meta-Analyse chinesischer Forscher kam zu dem Ergebnis, dass Augenübungen bei der Vorbeugung oder Begrenzung des Fortschreitens einer Kurzsichtigkeit nur eine begrenzte bis gar keine Wirksamkeit haben.
Die Krankenkasse AOK fasst die Studienlage so zusammen: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Augentraining das Sehvermögen verbessert. Die Augenmuskulatur ist nicht die Ursache der durch einen zu langen Augapfel bedingten Kurzsichtigkeit. Übungen können deshalb die optische Ursache der Myopie nicht beseitigen. Eine beobachtete Veränderung der Dioptrienzahl beweist keine Verkürzung des Augapfels und damit auch keine Heilung.