Im Akutfall muss das Inhalationsgerät funktionieren. Das BfArM empfiehlt, einen Ersatzinhalator mit sich zu führen. / © Adobe Stock/Tobilander
Ausgangspunkt für die BfArM-Analyse waren Fallberichte aus Großbritannien, bei denen es trotz Anwendung von Salbutamol-Druckgasinhalatoren bei Kindern und Jugendlichen zu schweren Asthmaverschlechterungen kam. Es zeigte sich, dass die Patienten im Akutfall entweder einen unbemerkt leeren Inhalator verwendet oder keinen Ersatzinhalator zur Hand hatten. Anlässlich dessen diskutieren die Autoren N. Bethge und W. Lütkehermölle im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (1/2026), ob in Deutschland ein systematisches Sicherheitsproblem durch die unbeabsichtigte Anwendung leerer Inhalatoren besteht, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Das Ergebnis: Die derzeitige Datenlage liefert keine Hinweise darauf.
Dennoch könnten Anwendungsfehler und Unsicherheiten bei der Handhabung von Inhalatoren klinisch relevante Folgen haben, so die BfArM-Autoren. Daher regen sie an, zu prüfen, ob die pharmazeutische Dienstleistung »Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik« in Apotheken stärker genutzt werden kann. Die zugehörige Checkliste zur korrekten Anwendung inhalativer Arzneimittel solle um einen Warnhinweis zu potenziell leeren Dosieraerosolen ohne Zählwerk und ohne wahrnehmbaren Sprühstoß ergänzt werden.
In Deutschland stellen außerdem Lieferengpässe der Salbutamol-haltigen Medikamente und Importarzneimittel eine Herausforderung dar, schreiben die Autoren. Die unterschiedlichen Inhalationssysteme erforderten häufig eine andere Handhabung und Inhalationstechnik. Gerade bei kurzfristigen oder wiederholten Produktwechseln ohne erneute Einweisung durch die Apotheken steige das Risiko für Anwendungsfehler.
Jedes Device hat eigene Fallstricke und typische Fehlerquellen. Wie eine gute Beratung zu jedem einzelnen Device, wie beispielsweise Novolizer und Genuair, Turbohaler, Easyhaler oder Ellipta, aussehen kann, erfahren Sie in unserer Serie »Inhalativa«. Dort werden die am häufigsten verwendeten Inhalatoren mit ihren individuellen Fallstricken im Detail vorgestellt.
Unabhängig davon könnten praxisrelevante Maßnahmen die Anwendungssicherheit weiter erhöhen. So sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob der Inhalator einsatzbereit ist. Dazu gehören folgende Schritte:
Ebenso wichtig sind die regelmäßige Schulung und Reevaluation der Inhalationstechnik. Vor allem nach einem Wirkstoff- oder Produktwechsel sollte die Anwendung des neuen Inhalators demonstriert und bei Bedarf geschult werden, betonen die Autoren. Dies gelte sowohl für die Patienten als auch für Eltern, pflegende Angehörige und andere Bezugspersonen.
Als eine zentrale Sicherheitsmaßnahme empfehlen sie das Mitführen eines funktionsfähigen Ersatzinhalators, vor allem für Patienten mit schwerem Asthma oder häufigen Exazerbationen. Sowohl das Gerät in Benutzung als auch das Ersatzpräparat sollten regelmäßig auf Füllstand, Funktionsfähigkeit und Verfalldatum geprüft werden. Bedingt durch Lieferengpässe könne es vorkommen, dass Ersatzinhalatoren nicht identisch mit dem ursprünglichen Device sind. Dann sei eine erneute Einweisung in die korrekte Anwendung besonders wichtig, um Anwendungsfehler und daraus resultierende Risiken zu minimieren.
Das Apothekenteam kann die Patienten dazu anleiten, dass sie ihre Inhalatoren aufmerksam kontrollieren, bei Unsicherheit frühzeitig fachlichen Rat einholen und sich bei einem Produktwechsel erneut in die korrekte Anwendung einweisen lassen.