Topika nur per Wattestäbchen auftragen, um den Kontakt der Finger mit den virenhaltigen Bläschen zu vermeiden. / © Shutterstock/Domaskina
Die Erreger, Herpes-simplex-(HSV-)1 und (seltener) HSV-2, persistieren in bestimmten Nervenbahnen und nutzen es aus, wenn das Immunsystem schwächelt: bei Sonneneinstrahlung – im Sommer, aber auch beim Skifahren im Winter –, bei fiebrigen Infekten, der Menstruation, Stress und Zeiten seelischer Belastung.
Die Lokaltherapie verspricht den besten Erfolg, wenn die Topika möglichst früh, also im Prodromalstadium, aufgetragen werden. Aciclovir (wie Zovirax®, auch in Kombination mit Hydrocortison) und Penciclovir (wie Pencivir®) sollten fünf- bis sechsmal täglich alle vier Stunden dünn auf betroffene und angrenzende Hautstellen aufgetragen werden, um die Virus-DNA-Synthese und damit die Virenvermehrung in den infizierten Zellen unterbinden zu können.
Das erklärt, warum es so wichtig ist, das Präparat bereits beim allerersten Kribbeln einzusetzen: Zu diesem Zeitpunkt ist die Zahl der Viren noch gering – und die Wahrscheinlichkeit, den Lippenherpes in seiner vollen Blüte zu verhindern und Schmerzen zu lindern, am größten. Sobald die Verkrustungsphase erreicht ist, ist eine Behandlung mit Virustatika nicht mehr sinnvoll – dann kann nur noch die Abheilung unterstützt werden.
In klinischen Studien konnten Aciclovir und Co. die Krankheitsdauer um etwa einen halben bis ganzen Tag verkürzen; ihr Effekt ist eher als moderat zu bezeichnen. Auch der Zusatz von Hydrocortison, Zink oder Lysin kann die Krankheitsdauer nicht weiter verkürzen. Penciclovir gibt es auch in Form einer hautfarbenen Creme.
Beratungstipp: Gemäß einer älteren Vergleichsstudie von elf verschiedenen Aciclovir-haltigen Topika ist die Permeation des Arzneistoffs in die Haut vom Propylenglykol-Gehalt der Zubereitung abhängig. Es ist deshalb sinnvoll, ein Präparat mit möglichst hoher Konzentration an Propylenglykol zu empfehlen.
Für die Anwendung im Mund könnten nach einem Beschluss des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht bald Aciclovir-haltige Buccaltabletten hinzukommen. Bislang gibt es allerdings noch kein entsprechendes Präparat auf dem deutschen Markt.