Bei der Entstehung der Arbeitssucht gilt es laut Poppelreuter mehrere Ebenen zu berücksichtigen. Auf individueller Ebene spielen häufig ein stark leistungsabhängiges Selbstwertgefühl, Perfektionismus, ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis und Schwierigkeiten im Umgang mit Fehlern oder Misserfolgen eine Rolle.
Aber auch berufliche Bedingungen können arbeitssüchtiges Verhalten fördern. Etwa, wenn ständige Verfügbarkeit, überlange Arbeitszeiten und die Aufopferung für das Unternehmen mit Anerkennung, Karrierechancen oder finanziellen Vorteilen belohnt werden.
Hinzu komme ein gesellschaftliches Arbeitsethos, das exzessives Arbeiten häufig als besondere Leistungsbereitschaft oder sogar als Auszeichnung bewerte.
Nach Einschätzung von Poppelreuter gibt es eindeutige Warnsignale für Arbeitssucht. Vorsicht ist demnach dann geboten, wenn Erholung, Schlaf, körperliche Bedürfnisse, soziale Beziehungen und die eigene Gesundheit dauerhaft der Arbeit untergeordnet werden. »Aus der Forschung wissen wir, dass regelmäßige tägliche Mehrarbeit von drei bis vier Stunden mit einem deutlich erhöhten Risiko für Depressionen in Verbindung gebracht werden kann«, so der Diplom-Psychologe.
Weitere Warnzeichen können sein:
Vorbeugend kann eine ehrliche Beobachtung des eigenen Zeitverbrauchs hilfreich sein. Verbindliche Erholungszeiten, Hobbys und die Bereitschaft, insbesondere im beruflichen Umfeld Aufgaben und Verantwortung abzugeben, können ebenfalls unterstützen.
Bei deutlichen Warnzeichen sollten Betroffene aber nicht erst warten, bis die Belastung weiter zunimmt. Poppelreuter rät, frühzeitig professionelle Beratung oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, »wenn Kontrollverlust, gesundheitliche Beschwerden oder deutliche zwischenmenschliche Konflikte auftreten«.
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Betroffenen helfen können. Hilfe gibt es zum Beispiel bei speziellen Beratungsstellen, in psychotherapeutischen Praxen und bei Selbsthilfegruppen. Die »Anonymen Arbeitssüchtigen« informieren unter »www.arbeitssucht.de« über Anlaufstellen und Literatur zum Thema.