Vor allem im Osten und Nordosten des Kongos gibt es zahlreiche bewaffnete Gruppen und bewaffnete Konflikte, die bereits seit Jahrzehnten andauern. Die Region ist von hoher Unsicherheit geprägt – das erschwert auch den Zugang für Helfende. Hinzu kommen Einschränkungen im Grenz- und Flugverkehr. »Sie verzögern die Ankunft von medizinischen Gütern, humanitärer Hilfe und spezialisiertem Personal in sehr dramatischer Weise«, sagt Gertler.
Jetzt steht zudem die nächste Regenzeit im Kongo bevor. In dieser Zeit kommt es üblicherweise zu einer erheblichen Zunahme von Infektionskrankheiten wie Malaria, Durchfallerkrankungen wie Cholera, aber auch Masern und Atemwegsinfektionen. Dies könnte die aktuelle Situation noch einmal massiv erschweren, weil allein durch Malaria massiv Fieberfälle dazukommen, die diagnostisch abgegrenzt werden müssen von den Ebola-Fällen.
Aber auch Angst in der Bevölkerung vor der Isolation von Ebola-Patienten erschwert die Bekämpfung der Epidemie, berichtet die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger. Ebola-Behandlungszentren würden nach wie vor häufig mit einem Todesurteil gleichgesetzt. Aus Angst verbergen manche Familien erkrankte Angehörige, verzögern deren Verlegung in spezialisierte Einrichtungen oder suchen zunächst traditionelle Heiler auf, so Landesdirektorin Julie Drouet. Außerdem: »Für einen Motorradtaxifahrer, einen Marktverkäufer oder einen Goldschürfer bedeutet ein Tag in Isolation einen Tag ohne Nahrung für seine Kinder.« Und Hunger werde als größere Bedrohung angesehen als das Virus, dessen Existenz viele leugnen.
In der vergangenen Woche wurden Ebola-Fälle in der Provinz Tshopo bekannt. Von der Provinzhauptstadt Kisangani fahren regelmäßig Schiffe auf dem Kongo-Fluss in die Hauptstadt Kinshasa, in der etwa 17 Millionen Menschen leben. Ein Ebola-Ausbruch dort könnte die Lage drastisch verschlechtern. In der Vergangenheit kam es bereits wiederholt zu Cholera-Ausbrüchen, die durch Schiffsreisende eingeschleppt wurden. Noch hoffen die Ärzte im Kongo und darüber hinaus, dass dies im Fall von Ebola nicht eintritt. Trainingsmaßnahmen sollen dennoch auf eine solche Möglichkeit vorbereiten.