Erkältungen können auch im Sommer auftreten. Um eine echte Grippe handelt es sich dabei jedoch nicht. / © Getty Images/Clerkenwell
Für die 25. Kalenderwoche vermeldet das Robert-Koch-Institut (RKI) 2,9 Millionen neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen – ein Wert, der üblich für die aktuelle Jahreszeit ist. Experten-Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen zur sogenannten Sommergrippe.
Nein. »Die Sommergrippe ist tatsächlich gar keine Grippe«, sagt Professorin Eva Hummers, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Die echte Grippe nämlich wird alle Jahre wieder im Herbst durch Influenza-Viren ausgelöst, deren Saison im Frühjahr endet. »Grippe gibt es im Moment so gut wie gar nicht«, sagt Eva Hummers. Stattdessen handelt es sich in der warmen Jahreszeit um sogenannte grippale Infekte, die durch andere Viren ausgelöst werden.
Auch mit Blick auf die Symptome gibt es Unterschiede zwischen Grippe und grippalem Infekt, also einer Erkältung. »Die echte Grippe setzt super schnell und super heftig ein, von 0 auf 100 in zwei Stunden«, beschreibt Eva Hummers. Im Gegensatz dazu entwickeln sich Erkältungen etwas gemächlicher. Infektiologe Professor Andrew Ullmann sagt: »Es fängt langsam mit Halskratzen an, dann kommen Schnupfen und Husten dazu. Und selten etwas Fieber.«
Typische Erkältungsviren lösen eine sogenannte Sommergrippe aus, häufig sind Rhinoviren die Übeltäter. Und die gibt es quasi überall – auch im Sommer. »Viren mögen es vor allem, wenn Menschen beieinander sind. Und sie fahren gerne Bus und Bahn«, sagt Eva Hummers.
Übertragen werden sie über Tröpfchen-, aber auch Schmierinfektionen. »Da reicht es schon, wenn jemand vorher in die Hand geniest und mich damit danach begrüßt hat«, sagt Andrew Ullmann von der Universitätsklinik Würzburg. Fasst man sich dann mit der Hand an die Schleimhäute, etwa in den Mund, kann das der Startpunkt für eine Erkältung sein.
Immerhin: Anders als in der nasskalten Zeit des Jahres halten wir uns im Sommer weniger in geschlossenen und womöglich schlecht gelüfteten Räumen auf, in denen feine Tröpfchen mit Erkältungsviren in der Luft hängen können. Das senkt das Infektionsrisiko in dieser Zeit des Jahres.
Bei grippeähnlichen Symptomen sollte auch immer an eine durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gedacht werden. Diese kann leicht als Sommererkältung missdeutet werden, da ebenfalls Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Sie klingen zwar nach einigen Tagen ab, es folgt jedoch bei einem Drittel der Infizierten eine zweite Krankheitsphase in der unter erneutem Fieberanstieg die Hirnhaut und eventuell auch Gehirn und Rückenmark befallen werden. Schwere Erkrankungen können tödlich enden beziehungsweise haben häufig bleibende Behinderungen wie Lähmungen und Krampfanfälle zur Folge.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, jeden einzelnen Infizierten möglichst früh zu erkennen. Bevor PTA Präparate zur Selbstmedikation einer vermeintlichen Sommergrippe abgeben, sollten sie deshalb erfragen, ob eventuell auch ein Zeckenbiss hinter dem Beschwerdebild stecken könnte.