| Sven Siebenand |
| 19.08.2026 12:00 Uhr |
Gleich vier neue Wirkstoffe kamen im August 2026 auf den deutschen Markt. Neue Medikamente gibt es aber nur drei, denn ein Kombipräparat enthält zwei Neulinge. / © Adobe Stock/vejaa
Nerandomilast ist in dem Präparat Jascayd® 9 und 18 mg Filmtabletten von Boehringer Ingelheim enthalten. Zugelassen ist das Medikament zur Behandlung von Erwachsenen mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) oder progredienter Lungenfibrose (PPF). Dies sind Erkrankungen, die durch eine nicht umkehrbare Zunahme von Narbengewebe in der Lunge gekennzeichnet sind. Dadurch wird die Fähigkeit der Lunge beeinträchtigt, genug Sauerstoff aufzunehmen und in den Blutkreislauf abzugeben. Zu den typischen Anzeichen und Symptomen von IPF und PPF zählen zum Beispiel trockener Husten, Atemnot bei Belastung sowie Müdigkeit.
Bei IPF ist die zugrunde liegende Ursache der Lungenfibrose nicht bekannt. Bei PPF kann die Vernarbung der Lunge zum Beispiel mit einer bestehenden Grunderkrankung, etwa rheumatoider Arthritis, zusammenhängen oder durch bestimmte eingeatmete Substanzen, zum Beispiel Asbest oder Schimmel, verursacht sein.
Nerandomilast ist ein selektiver Inhibitor der Phosphodiesterase 4 (PDE4) mit einer Präferenz für die Hemmung des Isoenzyms PDE4B. Dies unterscheidet den neuen Wirkstoff von den bereits verfügbaren PDE-4-Hemmern Apremilast und Roflumilast, die bei anderen Erkrankungen zugelassen sind.
Nerandomilast wirkt sowohl antifibrotisch als auch immunmodulatorisch, da die bevorzugte Hemmung von PDE4B den intrazellulären cAMP‑Spiegel erhöht und die Expression profibrotischer Wachstumsfaktoren und entzündungsfördernder Zytokine reduziert, die bei fibrotischen Lungenerkrankungen überexprimiert sind.
Die empfohlene orale Dosis beträgt 18 mg zweimal täglich in einem ungefähren Abstand von zwölf Stunden. Wenn ein Patient die Medikation aufgrund von Durchfall oder Gewichtsverlust nicht verträgt, kann die Dosierung auf zweimal täglich 9 mg reduziert werden. Diese Dosisreduktion muss auch erfolgen, wenn sich in der Begleitmedikation ein starker CYP3A-Hemmer befindet. Andersherum darf bei gleichzeitiger Anwendung mit starken oder mäßigen CYP3A-Induktoren die Dosierung nicht auf 9 mg zweimal täglich reduziert werden.