| Juliane Brüggen |
| 25.02.2026 12:00 Uhr |
Augentumoren werden meist zufällig bei Routineuntersuchungen erkannt. / © Getty Images/Mariia Vitkovska
Das Melanom ist vor allem als Krebserkrankung der Haut bekannt. Doch Melanozyten gibt es auch im Auge – in der Aderhaut, die unmittelbar unter der lichtempfindlichen Netzhaut liegt. Die pigmentierten Zellen absorbieren Lichtstrahlen und verbessern damit die Sehqualität. Ein Aderhautmelanom entsteht, wenn die Melanozyten entarten und unkontrolliert wachsen.
»Dieser bösartige Tumor tritt fast immer einseitig auf und wächst in der Regel langsam«, erklärt Professor Dr. med. Dr. h. c. Nikolaos E. Bechrakis, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen und Experte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Anlässlich einer neuen Patientenbroschüre informiert die DOG zusammen mit dem Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) über Risikofaktoren und Frühsymptome. Die Prognose der Erkrankung hängt davon ab, wie groß der Tumor ist und ob er schon Absiedlungen (Metastasen) gebildet hat.
»Da mit der Metastasierung die Heilungschancen rapide sinken, ist die Früherkennung des Aderhautmelanoms von entscheidender Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf«, betont Bechrakis. Denn trotz des langsamen Wachstums besteht früh das Risiko, dass sich Krebszellen – ausgehend vom Augentumor – auf andere Organe ausbreiten, vor allem auf die Leber.
Mit bundesweit nur 800 bis 1000 Neuerkrankungen pro Jahr gilt das Aderhautmelanom als seltene Erkrankung, ein allgemeines Screening gibt es nicht. Das bestätigt auch Professor Dr. med. Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz: Meist würden die Tumoren zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. »Vor diesem Hintergrund rufen wir zu regelmäßigen Untersuchungen des Augenhintergrundes ab dem 40. Lebensjahr auf«, so der DOG-Experte. Das gelte besonders für Menschen, die bestimmte Risikomerkmale aufweisen: grüne, blaue oder graue Augen, angeborene Pigmentflecken in der Aderhaut oder eine familiäre Vorbelastung mit einem Aderhautmelanom.
In frühen Stadien bleibt das Aderhautmelanom oft unbemerkt, die Symptome sind meist unspezifisch. Mögliche Anzeichen sind:
»Diese Warnsymptome treten in frühen Erkrankungsstadien längst nicht bei allen Betroffenen auf und sind zudem nicht spezifisch«, erläutert Daniel Pleger, erster Vorsitzender des BVA. Sie sollten unbedingt beim Augenarzt abgeklärt werden.
Je nach Ausbreitung und Lokalisation des Tumors können Betroffene außerdem ein Druckgefühl oder Schmerzen wahrnehmen (meist im fortgeschrittenen Stadium). Ebenso können sichtbare Pigmentierungen, deutlich erweiterte Blutgefäße auf der Lederhaut, eine Verformung der Pupille oder Farbänderung der Iris auf den Augentumor hinweisen. »Besteht ein Tumorverdacht am Auge, schicken die niedergelassenen Augenärztinnen und Augenärzte die Betroffenen weiter an ein spezialisiertes Zentrum«, so Pleger.
Die Therapieoptionen umfassen verschiedene Formen der Strahlentherapie, gegebenenfalls ergänzt durch eine Laserbehandlung, chirurgische Eingriffe und medikamentöse Therapien. Ziel ist es, den Tumor zu zerstören beziehungsweise zu entfernen, dabei jedoch Auge und Sehvermögen möglichst zu erhalten. »Ein auf das Auge beschränktes Aderhautmelanom lässt sich meist gut durch Bestrahlung und augenerhaltende chirurgische Verfahren therapieren, wodurch in mehr als 50 Prozent der Fälle eine vollständige Heilung möglich ist«, betont Bechrakis. Nur in seltenen Fällen sei die operative Entfernung des betroffenen Auges notwendig.
»Haben sich dagegen bereits Lebermetastasen gebildet, ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich«, ergänzt Kakkassery. Die bestmögliche Behandlung wird dann durch ein Tumorboard eines spezialisierten Zentrums empfohlen. Zu den medikamentösen Therapieoptionen der ersten Wahl gehört zum Beispiel die Immuntherapie mit Tebentafusp. Auch bestimmte Immun-Checkpoint-Inhibitoren oder andere zielgerichtete Therapien können in Frage kommen, ebenso wie lokal an der Leber wirksame Verfahren.
Beim Aderhautmelanom können genetische Untersuchungen Hinweise auf das Metastasierungsrisiko geben und dabei helfen, die geeignete Therapie festzulegen. Dazu wird Tumormaterial benötigt, entweder aus der Biopsie oder aus der Operation. Mutationen von prognostischer Relevanz betreffen folgende Gene: BAP1, SF3B1 und EIF1AX. Außerdem können bestimmte chromosomale Veränderungen auf eine schlechtere oder bessere Prognose hinweisen. Je nach genetischen Merkmalen sowie der bewährten TNM-Klassifikation werden Patienten in Risikogruppen eingeteilt. Das ermöglicht bei einem hohen Risiko zum Beispiel eine intensivierte Nachsorge oder die Teilnahme an Studien.