Doch was können Betroffene tun, um ihrer Sucht zu entfliehen? Müller empfiehlt unter anderem, Kaufprotokolle zu schreiben, und zwar zu jeder kleinen Ausgabe. Welche Gefühle und Gedanken hatte ich vor und nach dem Kauf? Habe ich die gekauften Waren genutzt? Diese Fragen sollten darin beantwortet werden, um das eigene Verhalten einordnen, verstehen und damit ändern zu können. Entscheidend für die Überwindung einer Kaufsucht ist laut Müller nämlich vor allem die innere Motivation, das eigene Verhalten ändern zu wollen.
Rasimus rät, einen »Abstand zwischen Reiz und Reaktion zu bringen«. Hierfür empfehlen sich eine 24-Stunden-Regel vor größeren Käufen, feste Budgets und Einkaufslisten. Entsprechende Newsletter sollten abbestellt, Shopping-Apps gelöscht und Zahlungsdaten nicht mehr gespeichert werden.
Wichtig ist es auch, die eigenen Trigger zu kennen. Reagiert man etwa besonders stark auf Rabatte, auf Bewertungen oder auf Influencer-Empfehlungen? Wer dies weiß, kann entsprechende Situationen vermeiden oder bewusster damit umgehen.
Viele Menschen mit problematischem Kaufverhalten warten lange, bis sie sich Hilfe suchen. Etwa, bis die finanzielle Not und die psychische Belastung kaum noch auszuhalten sind. Erste Anlaufstelle können Beratungsstellen der Suchthilfe sein. In der Regel empfehlen Experten zur Behandlung eine Psychotherapie, speziell eine kognitive Verhaltenstherapie.
Unter einer Kaufsucht leiden nicht nur die Betroffenen, sondern häufig auch Angehörige und nahestehende Personen. Menschen mit Kaufsucht geben zum Beispiel häufig über lange Zeit hohe Summen aus – teils, bis die eigenen finanziellen Ressourcen aufgebraucht sind.
Auch wenn die Situation für Angehörige belastend ist, sollten sie keinesfalls die Augen vor dem Verhalten verschließen oder die Kaufsucht unterstützen, indem sie etwa Geld leihen, so Müller. Sinnvoll sei es, das Thema offen anzusprechen. Dabei sollten Angehörige verständnis- und respektvoll bleiben, und Vorwürfe äußern. Ziel ist es, die betroffene Person möglichst dazu zu motivieren, sich Hilfe zu suchen. Erste Anlaufstelle können Beratungsstellen der Suchthilfe sein. Um das Verhalten erfolgreich bekämpfen zu können, müssen Betroffene etwa ergründen, welches eigentliche Bedürfnis hinter dem Shoppingzwang liegt.