Laut Forschenden spielt neben Stress und schlechter Stimmung auch ein innerlich empfundener Drang eine Rolle, wenn Menschen eine problematische Internetnutzung zeigen. / © Adobe Stock/ Irina Mikhailichenko
Viele Menschen greifen zum Internet, um Stress abzubauen oder schlechte Stimmung zu vertreiben, beschreibt die Hochschule. Problematisch werde die Internetnutzung, wenn Online-Angebote so viel Raum einnehmen, dass sie den Alltag spürbar beeinträchtigen. Es könne auch zu suchtartiger Nutzung kommen, heißt es in der Untersuchung, die im wissenschaftlichen Fachmagazin »Plos One« veröffentlicht wurde.
Die Forschenden hatten drei Jahre lang zunächst mehr als 1200 Erwachsene zu ihrem Internet-Verhalten befragt. Rund 900 von ihnen, unterteilt in Gruppen mit unproblematischer, riskanter und pathologischer Internetnutzung, wurden danach zwei Wochen intensiv begleitet.
Sie machten jeden Abend Angaben zu Stimmung, Stressniveau und der Versuchung, online zu gehen, sowie zur Nutzungsdauer und zu den Folgen. Versuchung wird dabei verstanden als subjektiv empfundener Drang, das Internet zu nutzen. »Außerdem wurde erfasst, ob sie Freude oder Erleichterung empfanden und andere Aktivitäten vernachlässigten.«
Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit problematischer Internetnutzung häufiger mit Stress und schlechter Stimmung konfrontiert sind. Das alleine sei aber nicht Ursache für ihren riskanten Onlinekonsum: »Ausschlaggebend dafür, ob sie tatsächlich online gehen, ist vor allem die Versuchung«, hieß es. Forschungsleiterin Silke Müller erläuterte auf Anfrage, der Begriff »Versuchung« beziehe sich auf das Nachgehen einer bestimmten Handlung wie Gaming oder Shopping, der man potenziell widerstehen möchte.
»Unsere Studie zeigt, dass die Versuchung, online zu gehen, eine entscheidende Verbindung zwischen Stress, Stimmung und problematischer Internetnutzung ist. Sie bestimmt, ob Menschen Online-Angebote nutzen und dabei kurzfristig Freude oder Erleichterung erleben, gleichzeitig aber andere Lebensbereiche vernachlässigen«, bilanziert die Analyse. Solche Zusammenhänge seien im Alltag bisher kaum untersucht worden.
Die Wissenschaftler konnten damit laut Uni-Mitteilung nachvollziehen, warum Menschen gerade in bestimmten Momenten online gehen. Dieses Wissen sei wichtig für bessere Präventions- und Behandlungsstrategien: Es könne wirksamer sein, Menschen dabei zu unterstützen, Momente der Versuchung zu erkennen und sie zu bewältigen, als sich ausschließlich auf Stress oder Stimmung zu konzentrieren.