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Erdnussallergie
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Was bleibt nach dem Palforzia-Aus?

Das einzige orale Immuntherapeutikum bei Erdnussallergie wird vom Markt genommen. Bereits begonnene Behandlungen mit Palforzia® seien dadurch jedoch nicht gefährdet. Bleibt die Frage: Auf welche Therapieansätze können Betroffene in Zukunft hoffen?
AutorKontaktElke Wolf
Datum 24.03.2026  16:00 Uhr

Palforzia® ist seit rund fünf Jahren zur Behandlung einer bestätigten Erdnussallergie im Alter zwischen 4 und 17 Jahren zugelassen. Um einen Gewöhnungseffekt an das Allergen zu erreichen, müssen Betroffene das Mittel in einem genau vorgeschriebenen Schema zunächst unter ärztlicher Aufsicht in steigender Dosierung einnehmen, bis die Erhaltungsdosis von 300 mg (entspricht etwa einer Erdnuss) erreicht ist. Diese wird dann einmal täglich dauerhaft eingenommen.

Da weiterhin auch schwere allergische Reaktionen möglich sind, müssen die Patienten aber trotzdem Erdnüsse meiden und für den Fall der Fälle einen Adrenalin-Pen bei sich tragen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) genauso wie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bescheinigten denn auch Palforzia 2022 keinen Zusatznutzen und überdies mehr Nebenwirkungen.

Jetzt wird der Vertrieb des definierten Erdnussproteinpulvers weltweit eingestellt. Darüber informiert der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Geschuldet sei der Rückzug dem Hersteller Stallergenes Greer zufolge strategischen und wirtschaftlichen Gründen. Bedenken hinsichtlich Qualität, Sicherheit oder Wirksamkeit habe es nicht gegeben.

Um laufende Therapien sicherzustellen, gelten folgende Übergangsfristen:

Der DAAB bezeichnete dies – vor allem in Ermangelung alternativer Therapieoptionen – als deutlichen Rückschritt in der Versorgung. Schließlich ist die Erdnussallergie mit 0,8 bis 3 Prozent Betroffenen die häufigste Nahrungsmittelallergie bei Kindern und auch die häufigste Ursache für lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen in diesem Alter. Während die meisten Nahrungsmittel erst ab einer bestimmten Menge allergische Reaktionen auslösen, reichen bei der Erdnuss mitunter schon Spuren im Mikrogrammbereich aus, um lebensbedrohliche Symptome hervorzurufen. Dazu kommt: Im Gegensatz zu anderen Lebensmittelallergien, die sich mit der Zeit oft abschwächen, besteht die Erdnussallergie ein Leben lang fort.

Das Allergen streng zu meiden, ist gar nicht so einfach. Denn Erdnüsse werden als Zutaten in vielen unterschiedlichen Nahrungsmitteln verarbeitet, etwa in vielen Süßwaren. Auch zu bedenken: Sie können außerdem in Spuren durch gemeinsam genutzte Produktionsanlagen in Lebensmittel gelangen, die eigentlich erdnussfrei sind. Ein Adrenalin-Autoinjektor oder -Nasenspray gehören deshalb zur Notfallausrüstung immer dazu.  

Das Konzept der frühen Allergenexposition – potenzielle Allergene sollten frühzeitig in die Beikost integriert werden, etwa ein Löffelchen Erdnussmus in den Brei – hat sich zwar bei kleinen Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis und klinisch relevanter Eiallergie bewährt. Bei Erdnussallergikern ist das aufgrund der extrem niedrigen tolerablen Menge nur schwer in die Praxis umzusetzen. Der DAAB fordert mehr weltweite Forschung für orale Immuntherapien mit natürlichen Lebensmitteln.

Konfrontation per Haut oder monoklonalem Antikörper

Ein weiterer Ansatz zur Desensibilisierung, der bereits in einer Phase-3-Studie untersucht wurde, ist eine epikutane Immuntherapie mithilfe eines Pflasters. Betroffene Kinder bekommen dabei täglich ein Pflaster auf die Haut geklebt, das eine konstante Menge an Erdnussprotein enthält. Nach einem Jahr täglichem Pflasterkleben vertrugen die meisten Kinder im Provokationstest deutlich höhere Allergenkonzentrationen als vor der Behandlung. Wer beispielsweise mehr als 10 mg Erdnussprotein toleriert hatte, sollte nach der Behandlung mindestens 1000 mg Erdnussprotein vertragen können.

Auch monoklonale Antikörper sind in der Lage, das Immungeschehen im Körper runterzudimmen. Omalizumab (Xolair®) und Dupilumab (Dupixent®) richten sich spezifisch gegen Immunglobulin E (IgE). Sie unterbrechen so die allergische Kettenreaktion und reduzieren außerdem die Aktivität und Anzahl der IgE-Rezeptoren auf der Oberfläche der Mastzellen, sodass weniger freies IgE gebunden werden kann.

Damit ist klar: Die Antikörper heben nur den Schwellenwert für die Menge an Allergen an, die eine Person zu sich nehmen kann, bevor es zu einer Reaktion kommt. Patienten müssen das Allergen also auch weiterhin meiden. Allerdings bieten sie sich deshalb gut als Add-on zur spezifischen Immuntherapie an. Derzeit wartet Omalizumab hierzulande noch auf die Zulassung für die Indikation Erdnussallergie. Die FDA-Zulassung für Xolair besteht dagegen bereits seit 2024.

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