| Isabel Weinert |
| 04.08.2026 08:00 Uhr |
Krafttraining, Bewegung und Dehnung können dem haltungsbedingten Rundrücken vorbeugen und ihn mildern. / © Adobe Stock/Syda Productions
Was ist ein Rundrücken?
Die Brustwirbelsäule, abgekürzt BWS, beginnt unter dem siebten Halswirbel (C7), der sich auf Höhe des unteren Nackens befindet. Sie besteht aus zwölf Wirbeln (Th1 bis Th12) und reicht von der Region der Schulterblätter hinab bis zum Übergang zur Lendenwirbelsäule (LWS), schreibt die Gelenk-Klinik Gundelfingen. Bei einem Rundrücken hat sich die Brustwirbelsäule deutlich nach hinten gekrümmt. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Krümmung physiologisch, weil die Wirbelsäule auf diese Weise Belastungen abfedert. Doch eine deutliche Zunahme hat Krankheitswert und heißt medizinisch Hyperkyphose.
Wie entsteht er?
In den allermeisten Fällen liegt die Ursache in einer Fehlhaltung, die entsteht, weil die Muskeln des Rumpfes (Bauch, oberer Rücken, Schulterblätter) zu schwach sind, um den Oberkörper dauerhaft (fast) gerade zu halten, verbunden mit verkürzten Muskeln etwa in Brust und Hüftbeuger. Die Schultern fallen nach vorne. Aber: Gelenke und Sehnen funktionieren noch einwandfrei. Wer immer wieder wegen muskulärer Dysbalance rund sitzt, kann sich problemlos Gerademachen, wenn er daran denkt. Diese Haltungsschwäche betrifft auch schon jüngere Menschen und vor allem diejenigen, die viel Zeit im Sitzen sowie am Laptop oder am Handy verbringen, wo der Kopf oft ohnehin nach vorne gebogen ist und die Schultern ebenfalls in diese Richtung neigen.
Der Kopf wiegt mehrere Kilogramm und sinkt er dauernd nach vorne, muss die Nackenmuskulatur ständig Höchstleistung erbringen, um für Stabilität zu sorgen. Das fordert auch Bandscheiben, Wirbelgelenke und Bänder über Gebühr. Dauert diese Fehlhaltung an, dann kann die (schwache) Muskulatur nicht anders, als sich anzupassen, ebenso wie das Bindegewebe und die Faszien.
Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben zudem an Elastizität, Wirbelkörper und Wirbel verschleißen, die Muskulatur baut weiter ab. Die Summe aller Veränderungen leistet einem Rundrücken weiter Vorschub und es fällt Betroffenen schwerer, sich aktiv aufzurichten.
Eine andere Genese hat der Rundrücken bei Menschen mit einem Morbus Scheuermann. Genetisch bedingt wachsen Vorder- und Rückseite von Wirbelkörpern in unterschiedlichem Tempo. Es entstehen keilförmige Wirbel, sichtbar in einer ausgeprägten Hyperkyphose. Diese Erkrankung beginnt oft schon im Jugendalter. Die Betroffenen können sich oft nicht gerade aufrichten, anders als bei der Haltungsschwäche.
Warum sind Frauen häufiger betroffen als Männer?
Bei Frauen spielt mit und nach den Wechseljahren eine häufig sich manifestierende Osteoporose verstärkend in das Geschehen hinein. Weil Knochen an Substanz verlieren, können Wirbel einfach einbrechen, vor allem diejenigen der Brustwirbelsäule. Der keilförmige Zusammenschub mehrerer Wirbelkörper verstärkt die Krümmung massiv. Weil sie die Körperachse verändert, erreichen Betroffene ein stabiles Gleichgewicht nur noch, indem sie den Nacken nach hinten strecken. Das betont die Krümmung nochmals.
Aber der Verlust an Östrogenen unterstützt den Rundrücken auch noch auf andere Weise, denn er verändert Binde- und Stützgewebe und verringert deren Geschmeidigkeit. Zudem verändert sich die Fettverteilung von typisch weiblich hin zu Oberkörper-betont, was auch mehr Fett im Nacken bedingen und damit einen Höcker bewirken kann, dort, wo der Nacken in die Halswirbelsäule übergeht. Im Schnitt haben Frauen außerdem eine geringere Muskelmasse als Männer und steuern sie nicht rechtzeitig durch Krafttraining dem Abbau entgegen, spielt auch das eine Rolle für einen Rundrücken.
Welche Symptome macht ein Rundrücken?
Betroffene können unter Rückenschmerzen vor allem im Bereich der BWS leiden; Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur können sich verspannen; die BWS wird starrer, der Rücken ermüdet, wenn man länger steht oder geht; die körperliche Belastbarkeit lässt nach; mitunter bedingt der Rundrücken über die Nackenmuskulatur auch Kopfschmerzen.
Damit nicht genug, beeinträchtigt ein ausgeprägter Rundrücken auch innere Organe, allen voran das Zwerchfell und die Lunge mit Folgen für die Atmung. Dem Brustkorb fehlt der Platz, um sich beim Einatmen richtig zu dehnen. Das merkt man an Kurzatmigkeit und einem Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Besonders leiden darunter ältere Menschen und jene mit einer bereits bestehenden chronischen Atemwegserkrankung.
Der Rundrücken kann auch auf Magen und Bauchorgane drücken. Das äußert sich mitunter in einem Druckgefühl im Oberbauch, in Sodbrennen und viel zu frühem Sättigungsgefühl, weil in den bedrängten Magensack nicht so viel Nahrung passt.
Wie behandelt man ihn?
An erster Stelle steht Physiotherapie. Hier geht es vor allem darum, Rückenstrecker, Rumpfmuskulatur und Schulterblattmuskeln zu stärken, verkürzte Brustmuskeln zu dehnen und wieder mehr Beweglichkeit in die BWS zu bekommen. Gezieltes Krafttraining unter Anleitung, etwa im Rahmen einer Medizinischen Trainingstherapie, fördert eine aufrechte Haltung. Wer einen Rundrücken hat, sollte besser nicht auf Fitnessstudios setzen, in denen die Trainierenden sich selbst überlassen bleiben.
Bekannte verstärkende Faktoren wie eine Osteoporose sollten behandelt werden, um (weitere) Einbrüche von Wirbelkörpern möglichst zu verhindern. Bewegung ist immer Teil der Behandlung. Menschen mit einem Morbus Scheuermann erhalten neben Physiotherapie während des Wachstums unter Umständen ein Korsett.
Schmerzmittel dürfen vorübergehend zum Einsatz kommen, Wärme hilft mitunter auch sowie Massagen gegen Verspannungen. Die Organsymptome müssen mit einem Internisten, am besten im Zusammenspiel mit einem Orthopäden, besprochen werden.
Wie lässt sich einem Rundrücken vorbeugen?
Vor allem die Haltungsschäden und die altersbedingten Schäden, die den Rücken krümmen, lassen sich präventiv beeinflussen durch: regelmäßige Bewegung, Krafttraining für Rücken und Rumpf, Dehnen von Brust- und Schultermuskeln, Haltungswechsel beim Sitzen, rechtzeitige Therapie einer Osteoporose.