| Isabel Weinert |
| 31.07.2026 16:00 Uhr |
Ein kraftvoller Rücken von Anfang an hilft, auch in späteren Jahren schmerzfrei zu bleiben. / © Adobe Stock/Bojan
Während Menschen früherer Generationen der Rücken vor allem von körperlicher Arbeit schmerzte, sorgt mittlerweile das Gegenteil für die meisten Krankschreibungen überhaupt: Rückenschmerzen durch stundenlanges Verharren in statischen Positionen. Der »Norvio Rückenreport 2025« kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen hierzulande im Jahr 2015 im Schnitt 7,5 Stunden pro Tag im Sitzen verbrachten und mittlerweile, 2025, bereits 9,2 Stunden – eine Zunahme von beinahe 23 Prozent binnen zehn Jahren.
Dabei spielt eine Rolle, dass die berufliche und die private Nutzung von Endgeräten gerade bei jüngeren Generationen mehr und mehr verschwimmt. So berichtet Norvio, dass die Generation Z, die Menschen also zwischen dem 18. und 29. Lebensjahr, im Schnitt 10,6 Stunden pro Tag sitzend verbringt, weil auf Bildschirmarbeit nur allzu oft Erholung in Streaming und endlosem Scrollen gesucht wird. Eine Entwicklung, die den Beginn von Rückenschmerzen in ein früheres Lebensalter verlagert und auch die betroffenen Bereiche tendenziell verändert – von der Lendenwirbelsäule eher nach oben zur Halswirbelsäule und zum Nacken.
Dabei starten fast alle Menschen ihr Leben zunächst mit einer vollständig gesunden Wirbelsäule. Bereits im noch ungeborenen Leben entwickelt sich das Rückgrat und zeigt sich beim Neugeborenen noch vollständig nach hinten gekrümmt. Das nennt sich »primäre Kyphose« und ist das Ergebnis einer normalen Anpassung an die Lage des Babys im Mutterleib. Erst wenn ein Säugling lernt, den Kopf zu heben, gelangt die Halswirbelsäule in ihre natürliche Krümmung. Und wenn das Baby etwa zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat beginnt zu laufen, krümmt sich auch die Lendenwirbelsäule charakteristisch: Die Wirbelsäule besitzt nun ihre typische doppelte S-Form.
Wer in der Kindheit gerne und viel springt, zahlt positiv auf sein Knochenkonto ein. / © Adobe Stock/Robert Kneschke
So völlig rückengesund könnte es gerne weitergehen, aber bereits im Kleinkindalter kann sich die Wirbelsäule krankhaft verändern. Natürlicherweise wachsen die Wirbelkörper in dieser Phase schnell weiter, sie verknöchern immer mehr, und die sich entwickelnde Muskulatur trägt zu Haltung und Koordination von Bewegungen bei. Leider gibt es Faktoren, die diese gesunde Entwicklung stören. Dazu zählt eine schwache Rumpfmuskulatur, also die Muskulatur von Bauch und Rücken, die bei Kleinkindern noch nicht vollständig ausgereift ist. Oft wachsen auch die Knochen schneller, und die sie stabilisierenden Muskeln können nicht im gleichen Maße an Kraft zulegen. Wer von Natur aus ein weicheres Bindegewebe hat, was in der Regel beim weiblichen Geschlecht der Fall ist, dessen Bänder und Sehnen sind zudem nachgiebiger.