Wer sich bei Erschöpfung »wie abgeschaltet« fühlt, kann Arme, Beine und Gesicht sanft mit den Fingerspitzen abklopfen. / © Getty Images/Letizia Le Fur
Der Kaffee ist getrunken, die Nacht war lang genug – und trotzdem fühlt sich der Körper an, als sei der Akku leer. Auch ein freies Wochenende bringt keine richtige Erholung. Vielleicht fällt es schwer, sich zu konzentrieren, man reagiert schnell gereizt.
Erschöpfung kann sich ganz unterschiedlich zeigen – und ist mehr als Müdigkeit. »Der große Unterschied zur Müdigkeit ist, dass man sich bei Erschöpfung nicht mehr so schnell erholen kann«, sagt Julia Wohlfarth, Physiotherapeutin aus München. Sie hat gerade ein Buch zum Thema veröffentlicht (»1-Minuten-Strategie Erschöpfung: Soforthilfe bei Überlastung, Unruhe und innerer Anspannung«). Eine Pause, eine Nacht Schlaf oder sogar ein Urlaub reichen dann nicht unbedingt aus, um wieder zu Kräften zu kommen.
Erschöpfung sei aber keine Diagnose, so die Autorin, sondern ein Symptom. Und sie werde von jedem Menschen anders erlebt. Manche fühlen sich innerlich abgeschaltet, kraftlos und leer. Andere sind müde, aber gleichzeitig angespannt und unruhig. »Erschöpfung ist nicht nur körperlich und auch nicht nur psychisch oder emotional zu betrachten«, so Wohlfarth. Sie kann den Alltag stark einschränken: »Erschöpfung hält uns davon ab, etwas für uns zu tun, und kostet wahnsinnig viel Lebensqualität.«
Doch was hilft dabei, sich wieder weniger erschöpft zu fühlen und den Alltag wieder mehr zu genießen? Oft greifen Menschen nach dem, was allgemein als wohltuend gilt: schlafen, Sport oder Meditation. Das kann passen. Muss aber nicht.
Julia Wohlfarth rät, zunächst genauer hinzuspüren: Fühlt sich der Körper eher unruhig an oder wie abgeschaltet? Welche Gedanken sind da? Tritt die Erschöpfung morgens auf, abends oder vor allem nach der Arbeit?
»Was tut mir wirklich gut?« sei eine der schwierigsten Fragen in diesem Zusammenhang. Bei der Beantwortung kann es helfen, die »Energiefresser« im eigenen Leben ausfindig zu machen, rät Wohlfarth. Dafür analysiert man: Nach welchen Aufgaben, Gewohnheiten oder Treffen hat man besonders wenig Kraft? Lassen sich die Situationen anpassen, sodass sie weniger zehrend sind? Und nach welchen Aktivitäten fühlt man sich hingegen erholt?