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Nährstoffe
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Was Kinder wirklich brauchen

Kalorienreich, aber nährstoffarm: Fehlernährung kann Kinder krank machen, unabhängig vom Gewicht. Eine ausgewogene Ernährung beginnt in der Schwangerschaft – und fördert langfristig Wachstum, Entwicklung und Gesundheit von Kindern.
AutorKontaktJudith Schmitz
Datum 26.02.2026  08:00 Uhr

»Eine gesunde Ernährung ist die Basis für Wachstum und Entwicklung von Kindern. Jeder Euro für die Prävention einer Fehlentwicklung kommt in Form vieler eingesparter Euros an Behandlungskosten zurück und erspart dem Kind und späteren Erwachsenen viel Leid durch das Ausbleiben ernährungsbedingter Erkrankungen«, sagt Privatdozent Dr. Frank Jochum, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau,  im Gespräch mit PTA-Forum.

Eine Mangelernährung kann sich etwa einschleichen, wenn das Kind den Großteil seines Hungers mit Lebensmitteln stillt, die zwar kalorienreich sind, aber nur wenige bis keine gesunden Nährstoffe enthalten. So können Kinder mit Übergewicht oder Adipositas mangelernährt sein, verursacht durch falsche Ernährung, krankheitsbedingte Stoffwechselveränderungen und eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme im Darm. Für von Übergewicht Betroffene fordert Jochum ein bundesweites Präventionsprogramm aus den drei Säulen Verhaltenstherapie (mit Elterneinbindung), Vermittlung von Ernährungskompetenz und Bewegungsmotivation. Bisher würden solche Programme nur in einigen Regionen Deutschlands angeboten.

»Daneben sieht man vor allem in Krankenhäusern überzufällig häufig chronisch kranke Kinder, die untergewichtig sind«, sagt Jochum, der eine Studie zu dem Thema veröffentlicht hat. Betroffen sind demnach etwa ein Viertel der pädiatrischen Patienten. Die Ursache kann in der Erkrankung selbst liegen, etwa bedingt durch einen erhöhten krankheitsbedingten Nährstoffbedarf, eine schlechtere Aufnahme oder Verwertung von Nährstoffen oder eine nicht bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr, zum Beispiel durch einseitige Ernährung. Die Unterernährung störe das Wachstum, vermindere Knochendichte und Muskelmasse, verzögere die Geschlechtsreife, mache die Kinder infektanfälliger und verschlechtere den Verlauf ihrer chronischen Erkrankung, zählt der Experte auf. Nach einer Operation heilen zudem Wunden langsamer, die Kinder müssen länger im Krankenhaus verweilen als normalgewichtige.

Das Problem rücke zwar zunehmend, aber noch nicht genug ins Bewusstsein der behandelnden Ärzte, kritisiert Jochum. Denn einmal erkannt, kann das Kind zum Beispiel durch eine individuell angereicherte Nahrung wieder Normalgewicht erreichen. Neben medizinischen Fachkräften und Eltern sollte auch das Personal in Kindergärten, Schulen und Vereinen für das Thema Unterernährung bei Kindern sensibilisiert werden, um in Absprache mit dem Kinderarzt oder einem qualifizierten Ernährungsberater passende Maßnahmen ergreifen zu können.

Worauf also sollten Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder achten? Jochum erklärt: Abhängig von ihrem Alter brauchen Kinder Nährstoffe aus unterschiedlichen Quellen – zu Beginn erfolgt die Versorgung über die Plazenta im Mutterleib, dann nach der Geburt über das Stillen oder industriell hergestellte Säuglingsmilch. Ab dem fünften Lebensmonat beginnt zusätzlich die Einführung der Beikost, bis das Kind schließlich irgendwann ganz auf die Familienkost umsteigt.

Den Geschmack prägen

Die Eltern können von Beginn an das Kind an eine ausgewogene Ernährung heranführen, und zwar über Geschmacksprägung. Diese startet laut Jochum schon mit der Schwangerschaft: Die Aromen aus der mütterlichen Nahrung gelangen über die Plazenta zum Kind und beeinflussen mit, was es später einmal geschmacklich mögen wird. Diese Prägung setzt sich über das Stillen und Angebot der Bei- beziehungsweise Familienkost fort. »Ideal ist es, wenn sich Frauen mit Kinderwunsch schon vor der Empfängnis ausgewogen ernähren und normalgewichtig bleiben. Damit legen sie eine gute Grundlage für die Nährstoffversorgung und die Regelkreise zu Zuckerhaushalt und Hungergefühl des möglichen Nachwuchses«, so der Experte.

Für die Familienkost gebe es hierzulande »eine große Auswahl an Lebensmitteln mit Nährstoffen in guter Qualität«. »Solange das Kind gesund und normalgewichtig ist und die Mahlzeiten einen ausgewogenen Mix aus Proteinen, gesunden Fettsäuren, Kohlenhydraten, Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen bieten, sollte es genügend Nährstoffe für sein Wachstum und seine Entwicklung erhalten«, sagt Jochum. Der Mediziner rät, den Nachwuchs häufiger verschiedene Obst- und Gemüsesorten probieren zu lassen. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Kinder ein Lebensmittel nach siebenmaligem Anbieten akzeptieren.

Wasser statt Saft und Softdrinks

Jochum verdammt nicht pauschal jede ungesunde Leckerei. »Die Dosis macht das Gift.« Brötchen am Samstag seien okay, wenn die Brotmahlzeit an den anderen Wochentagen aus Vollkorn bestehe. Es darf auch täglich Weißbrot sein, wenn Gemüse die Beilage ist. Gegen ein Glas Saft pro Tag sei nichts einzuwenden, gegen große Mengen an Säften und Softdrinks allerdings schon. »Kinder sollten von Anfang an Wasser als Durstlöscher erhalten und nur ab und an ein zuckerhaltiges Getränk zum Genuss.« Quetschbeutel mit Brei oder Fruchtpüree für Kinder lehnt der Mediziner allerdings ab. Sie förderten Übergewicht, der enthaltene Zucker schädige den Zahnschmelz. Das Kind übe zudem nicht, die Mundmotorik beim Essen einzusetzen.

Von Nahrungsergänzungsmitteln, vor allem in Form von Kombinationspräparaten, rät Jochum ab: Die Dosierung sei oft nicht passend für Kinder und damit potenziell schädlich. Auch hemmen manche Nährstoffe die Aufnahme anderer, Eisen etwa beeinflusst die Aufnahme der Mineralstoffe Zink, Kupfer und Calcium negativ. »Wir Kinder- und Jugendärzte empfehlen bei gesunden Kindern, die sich aus pflanzlichen und tierischen Quellen ernähren, keine Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln außer der Vitamin-D-Gabe ab Geburt bis zum zweiten erlebten Frühsommer.«

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