Grundsätzlich gilt: Eine Epilepsie bedeutet nicht automatisch, dass jemand auf Sport verzichten muss. / © Getty Images/Science Photo Library/Kateryna Kon
Fußballstar Jamal Musiala hat nach seinen jüngsten Aussetzern von »Absencen« gesprochen – zurückzuführen auf eine »neurologische Dysfunktion«. Fachleuten zufolge können solche Absencen, also Bewusstseinsaussetzer, eine Form epileptischer Anfälle sein.
Bei dieser Epilepsieform kommt es zu kurzen, nur Sekunden dauernden Bewusstseinspausen, die abrupt beginnen und auch wieder enden. In diesen typischerweise 3 bis 20 Sekunden dauernden Anfällen sind die Personen nicht ansprechbar, verhalten sich aber ruhig und zeigen keine gravierenden motorischen Symptome. Zum Teil fallen die Bewusstseinspausen Umstehenden nicht auf.
Die Anfälle wurden früher auch französisch als Petit-mal genannt, in Abgrenzung zum Grand-mal, dem generalisierten tonisch-klonischen Anfall. Anders als bei diesem kommt es bei Absencen nicht zu einer Bewusstlosigkeit mit Sturz und nicht zu ausgeprägten Krämpfen.
Anfälle entstehen durch eine überschießende oder synchronisierte elektrochemische Hirnaktivität, bei der sich Gruppen von Nervenzellen der Großhirnrinde zeitlich begrenzt, unnormal gleichgeschaltet und in sehr schneller Abfolge entladen. Nach dem Anfall kehrt das Gehirn in seine normale Funktionsweise zurück. Eine Verwirrtheit besteht bei den Personen nach dem Abklingen nicht, aber eine Erinnerungslücke.
Die Absence-Epilepsie beginnt meist im Kindesalter, typischerweise zwischen vier und zehn Jahren, heißt es in einer Publikation der Internationalen Liga gegen Epilepsie. Es gibt aber auch eine juvenile Form, die zwischen 10 und 24 Jahren beginnt. Die Ursachen sind unklar, es gibt aber eine genetische Veranlagung.
In der Therapie ist Ethosuximid Mittel der Wahl. Das Antiepileptikum wirkt über die Blockade von spannungsabhängigen Calciumkanälen und erhöht so die Krampfschwelle. Obwohl das Ansprechen individuell variiert, sind die Absence-Epilepsien gut behandelbar. Dabei ist die kindliche Form besser als die juvenile Form zu therapieren. In der Regel wird das Antiepileptikum so weit aufdosiert, bis der Patient anfallsfrei ist. Wenn Ethosuximid nicht ausreichend wirkt, kommen Lamotrigin, Levetiracetam oder Valproat infrage. Welches Medikament gewählt wird, hängt von Alter, Geschlecht und davon ab, ob zusätzlich tonisch-klonische oder andere Anfälle auftreten.