Im Alter kann eine gezielte Ernährung mit ausreichend Protein, Vitaminen und Flüssigkeit Sarkopenie, Frailty und Nährstoffdefiziten entgegenwirken. / © Getty Images/Jamie Grill Photography
Untersuchungen belegen, dass die Ernährungssituation älterer Menschen vielfach zu wünschen übrig lässt. Senioren sind überdurchschnittlich häufig von Mangelernährung betroffen, besonders kranke und pflegebedürftige sowie hochbetagte Personen. Der Ernährungszustand im Alter wird außerdem beeinflusst durch altersbedingte physiologische Veränderungen, das soziale Umfeld sowie durch verschiedene Erkrankungen und die Einnahme von Medikamenten.
Die Ursachen der sprichwörtlichen »Altersanorexie« sind vielschichtig. Eine wesentliche Bedeutung scheint dabei dem gastrointestinalen Sättigungshormon Cholecystokinin zuzukommen, dessen Konzentration im Alter zunimmt sowie vermutlich der abnehmenden Geschmacks- und Geruchswahrnehmung. Ferner dürfte – neben etlichen weiteren Faktoren – die im Alter häufig geringere körperliche Aktivität und der insgesamt verlangsamte Stoffwechsel für die häufig anzutreffende Appetitlosigkeit mitverantwortlich sein. Auch das Durstempfinden ist bei älteren Menschen erheblich reduziert. Selbst bei gravierender Dehydrierung verspüren Senioren mitunter kein Verlangen nach Flüssigkeit. Letzteres könnte an einer Regulationsstörung im Zentralnervensystem liegen.
Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der fettarmen, stoffwechselaktiven Körpermasse (engl. Lean Body Mass, LBM) wie etwa der Skelettmuskulatur sowie die Knochenmasse, deren Dichte auch bedingt durch weniger körperliche Aktivität in der fortgeschrittenen Lebensphase abnimmt. Die schwindende fettarme Körpermasse wird durch eine Zunahme des Körperfettgehalts nachteilig kompensiert. Es erfolgt eine Umverteilung zugunsten viszeraler Fettdepots, aber zulasten des peripheren Fettgewebes. Für Männer über 65 Jahren wird deshalb eine Energiezufuhr von lediglich 2100 kcal/d, für Frauen über 65 Jahren eine von 1700 kcal/d empfohlen.
Im Muskelgewebe steigt der Anteil an Fett und Bindegewebe. Ein abnorm gesteigerter Abbau an Muskelmasse und -kraft wird als Sarkopenie bezeichnet. Eine gleichzeitige Adipositas kann dann zu einer sogenannten »sarcopenic obesity« bei alten Menschen führen, die folglich durch eine erhöhte Fett- und eine verminderte Muskelmasse in Erscheinung tritt. Die katabolen Veränderungen des Muskelgewebes bei einer Sarkopenie gehen zurück auf Veränderungen von Hormonkonzentrationen (vermindertes IGF-1, Testosteron) und des Immunsystems sowie auf chronische Entzündungsprozesse. Einige Zytokine wie TNF-α, IL-6 und CRP (C-reaktives Protein) deuten sowohl auf eine verminderte Muskelmasse als auch auf einen sich anbahnenden Diabetes mellitus Typ 2 hin. Eine verminderte Insulinsensitivität findet sich bei etwa 43 Prozent der Über-60-Jährigen; sie mündet bei circa 16 Prozent in einen manifesten Diabetes.