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Reisethrombose
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Wer welche Prophylaxe braucht

Der verlangsamte Blutfluss beim Sitzen kann auf langen Reisen zu einer Thrombose führen. Prophylaktische Maßnahmen richten sich nach dem individuellen Risiko. Heparinspritze und Gerinnungshemmer sind nur für Reisende mit hohem Thromboserisiko eine Option.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 10.07.2026  08:00 Uhr

Eine lange Reise in vorwiegend sitzender Position kann das Risiko für eine venöse Thromboembolie erhöhen. Betroffen ist das tiefe Venensystem. »Durch die Immobilität kommt es zu einer Stase, das heißt, das Blut versackt in den unteren Extremitäten, der venöse Rückfluss kommt ins Stocken. Das ist der entscheidende Grund für eine Reisethromboembolie«, erklärte Privatdozentin Dr. Carola Hoffmann-Wieker bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.

Auch die Länge der Reise spielt eine Rolle. Kritisch sei ununterbrochenes Sitzen länger als vier Stunden, egal ob im Flugzeug, Auto oder Bus. Dann steige das Risiko für eine Reisethrombose auch bei Nichtrisikopatienten. »Etwa 1 von 4500 Flugpassagieren erleidet eine tiefe Venenthrombose. Bei Risikopatienten kann das Risiko deutlich höher sein und tritt schon ab einer Reisedauer ab 2 Stunden stillem Sitzen ein«, so die Chefärztin der Klinik für Gefäßchirurgie im Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Speyer. Prinzipiell könne aus einer Venenthrombose immer eine Lungenembolie erwachsen – auch nach dem Flug. 

Für die meisten gesunden Menschen sei das Risiko sehr gering, beruhigte die Gefäßspezialistin. Hier reichten kleine gymnastische Übungen im Sitzen wie regelmäßiges Fußkreisen und -wippen, um die Muskelpumpe zu aktivieren und den Blutfluss aufrechtzuerhalten.

Trinken unterstützt Blutfluss

»Ein wichtiger Teil der Thromboseprävention ist zudem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wasser ist die beste Wahl, um die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern«, sagte die Expertin. Auch gegen den »klassischen« Tomatensaft im Flugzeug oder andere Fruchtsäfte sei nichts einzuwenden; sie liefern neben der Flüssigkeit auch Mineralstoffe. Von Kaffee und Alkohol riet sie hingegen ab. Beide wirken harntreibend, das heißt, der Körper verliert dadurch schneller Flüssigkeit.

Menschen mit einem mittelgradig erhöhten Thromboserisiko sollten zusätzlich Thrombosestrümpfe tragen, empfahl Hoffmann-Wieker – auch wenn Studien dazu keine klare Empfehlung gäben. »Doch sie erhöhen den Druck auf die Venen, um das Blut zum Herzen zurückzuführen.« Die Kompressionsstrümpfe sollten 10 bis 20 mmHg Knöchelanpressdruck entfalten, bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz 20 bis 40 mmHg.

Medikamentöse Reisevorbereitung

Menschen mit hochgradigem Thromboserisiko – die Referentin nannte Menschen, die schon mal eine Reisethrombose hatten, Senioren, solche mit Blutgerinnungsstörungen, einer Schwangerschaft, einer bestehenden Krebserkrankung oder einer kürzlich erfolgten Operation – sollten zusätzlich eine medikamentöse Thromboseprophylaxe bekommen. »In Vorbereitung auf die Reise sollten sich diese Patienten vom Gefäßmediziner die Heparinspritze oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) verordnen lassen.« Acetylsalicylsäure sei nicht geeignet, da die Wirkung des Thrombozytenaggregationshemmers im venösen System nicht ausreicht.

Zur Prophylaxe wurden früher überwiegend niedermolekulare Heparine subkutan gespritzt. Hoffmann-Wieker betonte dabei die wichtige Rolle des Apothekenpersonals bei der Beratung und Anleitung der Patienten zur korrekten Anwendung. Seit einigen Jahren werden vermehrt DOAK, also Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban, eingesetzt.

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