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Neueinführungen
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Das Juli-Quartett

Zum 1. Juli kamen vier neue Wirkstoffe in den deutschen Handel. Sie kommen in den Indikationen Lungenkrebs, Epilepsie und bei einer seltenen Immundefektkrankheit zum Einsatz.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 09.07.2026  08:00 Uhr

Gleich zwei der vier neuen Wirkstoffe sind beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) zugelassen. Dieser macht circa 15 bis 20 Prozent aller Lungenkrebsfälle aus. Häufig wird ein SCLC erst im fortgeschrittenen Stadium (extensive stage SCLC, ES-SCLC) diagnostiziert und ist durch ein schnelles Fortschreiten und eine schlechte Prognose gekennzeichnet. Der erste der beiden neuen SCLC-Wirkstoffe ist der bispezifische Antikörper Tarlatamab (Imdylltra® Pulver zur Herstellung eines Konzentrats und Lösung zur Herstellung einer Infusionslösung, Amgen). Tarlatamab bindet zum einen an das Protein Delta-like-Ligand-3 (DLL3), das sich beim SCLC auf der Oberfläche von Tumorzellen befindet. Ferner bindet der Antikörper an das Transmembranprotein CD3 auf T-Zellen. So bringt der Wirkstoff die T-Zelle mit der Tumorzelle zusammen. Die aktivierten T-Zellen kurbeln die Produktion von Zytokinen sowie die Freisetzung zytotoxischer Proteine an, was dann das Absterben der Krebszellen zur Folge hat.

Tarlatamab wird infundiert und soll als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit ES-SCLC zum Einsatz kommen, wenn diese nach Fortschreiten der Erkrankung während oder nach einer Erstlinienbehandlung mit einer platinbasierten Chemotherapie eine systemische Therapie benötigen. Das empfohlene Dosierungsschema besteht aus einer Anfangsdosis von 1 mg an Tag 1, gefolgt von 10 mg an den Tagen 8 und 15 sowie danach alle zwei Wochen bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer nicht tolerierbaren Toxizität.

Die Liste möglicher Nebenwirkungen ist leider lang. Sehr häufig ist das Zytokinfreisetzungs-Syndrom (CRS). In der Fachinformation ist beschrieben, welche Begleitmedikation notwendig ist, um das CRS-Risiko zu reduzieren. Zudem gibt es ausführliche Empfehlungen, wie die Patienten bei Verdacht auf ein CRS zu behandeln sind.

Unter den Warnhinweisen in der Fachinformation ist auch das Immuneffektorzellen-assoziierte Neurotoxizitätssyndrom (ICANS) zu finden. Zudem gibt es Empfehlungen, wie ein ICANS zu managen ist. Ein ICANS kann bis mehrere Wochen nach der Anwendung von Tarlatamab auftreten. Nebenwirkungen, die mit einem ICANS einhergehen können, sind unter anderem Kopfschmerzen, Enzephalopathie, Verwirrtheit, Delirium, Krampfanfall, Ataxie, Neurotoxizität und Tremor. Patienten sind während der Tarlatamab-Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome eines ICANS zu überwachen.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und über einen Zeitraum von zwei Monaten nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Bei Schwangeren wird der neue Antikörper nicht empfohlen. Das Stillen sollen Frauen während der Behandlung mit Tarlatamab und für mindestens zwei Monate nach der letzten Dosis unterbrechen. Imdylltra wird bei 2 bis 8 °C gelagert.

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