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GLP-1-Therapie professionell begleiten
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»Wer weniger isst, muss besser essen«

Inkretinmimetika wie Semaglutid oder Tirzepatid sind sehr wirksame Substanzen, die zu einem starken Gewichtsverlust führen. Das machte Professor Dr. Martin Smollich, Apotheker und Ernährungsexperte am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck, bei der Fachmesse Expopharm in München deutlich. Die Therapie müsse dringend fachlich begleitet werden.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 23.09.2026  10:00 Uhr

Nicht dauerhaft Mahlzeiten auslassen

Für den zweiten Punkt – den Nährstoffmangel zu verhindern – gelte der Grundsatz »Wer weniger isst, muss besser essen«. Patienten unter Inkretinmimetika sollten besonders auf die Nährstoffzusammensetzung ihrer Lebensmittel achten. Es sei zudem für die Nährstoffaufnahme nicht gut, dauerhaft Mahlzeiten auszulassen, sagte Smollich. Zwei bis drei Hauptmahlzeiten sollten es pro Tag schon sein – und nährstoffreiche Snacks, womit keine Schokoriegel gemeint seien.

Einen Inkretinmimetika-typischen Mangel gebe es nicht, betonte der Experte. Aber Studien zufolge fehle es häufig an Protein, Calcium, Vitamin B12, Eisen und Folat. Obwohl der Ansatz »Food first« gelte, die Nährstoffversorgung also über Lebensmittel abzudecken sei, könne auch die Einnahme eines Multivitaminpräparats helfen, Mängel zu vermeiden.

Muskeln erhalten durch Proteinzufuhr und Krafttraining

Bei jeder Gewichtsreduktion, ob durch Crashdiäten oder Inkretinmimetika, gehe neben dem Fettgewebe auch fettfreie Masse verloren, also Muskeln, Bindegwebe und Körperwasser. »Die relative Körperzusammensetzung verbessert sich aber trotzdem«, betonte Smollich. Aufpassen müsse man bei »übermotivierten Patienten«, die zu rasch abnehmen. Der Gewichtsverlust sollte nicht mehr als 0,5 bis 1 kg pro Woche betragen.

Um die Muskeln zu erhalten, ist auf eine ausreichende Proteinzufuhr zu achten. »Protein ist der wichtigste Nährstoff«, betonte der Pharmazeut. Die Zufuhr sollte unter der Therapie bei 1,2 bis 1,6 g Protein pro kg Zielgewicht liegen. Smollichs Tipp, um diesen hohen Wert trotz Appetitlosigkeit zu erreichen: Die Proteine bei einer Mahlzeit immer zuerst essen und dann erst das Gemüse und die Kohlenhydrate.

Doch eine Proteinzufuhr allein bewirkt noch keinen Muskelerhalt oder -aufbau. Daher sollten Patienten auch regelmäßig Kraftsport machen. Der Ernährungsexperte riet zu zwei- bis dreimal wöchentlichem Training mit progressiver Belastung und professioneller Anleitung in Kombination mit Ausdauertraining. Die schlechte Nachricht: Laut Studien reichten Yoga und Pilates zum Muskelaufbau nicht aus.

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