| Verena Schmidt |
| 15.09.2026 16:00 Uhr |
Die Freude am Kochen und Essen bewahren: Das hilft Krebspatienten dabei, nicht in eine Mangelernährung zu rutschen. / © Getty Images/zeljkosantrac
Dass eine gesunde Ernährung dabei hilft, Krebserkrankungen vorzubeugen, ist wissenschaftlich gut belegt. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Menschen, die viel verarbeitetes Fleisch essen, häufiger an Darmkrebs erkranken. Diejenigen, die sich pflanzenbetont ernähren, haben dagegen wohl ein geringeres Erkrankungsrisiko, beispielsweise für Brust- oder Prostatakrebs. Eine gesunde Ernährung spielt aber nicht nur eine wichtige Rolle in der Prävention. Wenn bereits eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, hilft sie dabei, die kräftezehrende Therapie besser zu überstehen.
Der Fokus bei der Ernährung von Krebspatienten liegt vor allem darauf, eine Mangelernährung zu vermeiden. Denn wer schnell viel Gewicht verliert, baut Muskeln ab, und auch das Immunsystem wird geschwächt. Die Patienten leiden unter Anämie und Müdigkeit, vertragen Zytostatika schlechter und sind anfälliger für bestimmte Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte und Wundheilungsstörungen. Kommt es zu einer Auszehrung, der sogenannten Tumorkachexie, verschlechtert sich die Prognose für den Patienten. 50 bis 80 Prozent der Krebspatienten sind davon betroffen, eine Kachexie ist gar für etwa 20 Prozent der krebsbedingten Todesfälle verantwortlich.
Krebs kann den Stoffwechsel im Körper verändern – ein ungewollter Gewichtsverlust zählt zu den häufigsten Symptomen einer Krebserkrankung. Welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen, ist noch nicht zu 100 Prozent verstanden. Bislang gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein maligner Tumor und auch die gesunden Körperzellen entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin-1, Interleukin-6 und TNF-α ausschütten. Es entsteht eine chronische Entzündungsreaktion, die Hormonhaushalt und Stoffwechsel beeinflusst. Der Körper gerät in einen katabolen Zustand und baut Energiereserven ab: Er mobilisiert Fette aus dem Fettgewebe und baut Proteine aus der Muskulatur ab, gleichzeitig ist der Muskelaufbau gehemmt. Doch trotz des zunehmenden Verlusts an Fett- und Muskelmasse wird im Körper kein Appetit oder Hunger ausgelöst.
Dazu kommt meist eine lange Liste an Nebenwirkungen, die viele Krebstherapien mit sich bringen und Patienten das Essen nicht gerade leicht machen. So leiden viele Betroffene etwa unter Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Geschmacks- und Geruchsveränderungen, Mundtrockenheit, Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs (Mukositis, Stomatitis), Mundsoor, Verstopfung oder Durchfall sowie Schluckproblemen.