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West–Nil–Virus in Berlin
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Risiko durch heimische Mücken steigt

Heimische Mücken können West–Nil–Virus übertragen. Eine Berliner Studie hat untersucht, in welchen Lebensräumen das Ansteckungsrisiko am höchsten ist. Das Ergebnis hat die Wissenschaftler überrascht.
AutorKontaktdpa
Datum 15.06.2026  17:00 Uhr

Das durch Mücken übertragbare West–Nil–Virus (WNV) ist einer Studie der Universitätsklinik Charité zufolge in Berlin inzwischen fest etabliert. »Das West–Nil–Virus ist in Berlin endemisch, das heißt, es kann in den Sommermonaten zu Infektionen ohne Reiseaktivität kommen«, sagte Studienautorin Sandra Junglen bei einem Pressegespräch.

Für die Studie fing das Forscherteam insgesamt 24.000 Stechmücken ein und testete, wie viele der Tiere das Virus in sich trugen. »Wir haben vergleichsweise hohe Infektionsraten in den Stechmücken«, erklärte die Charité-Biologin. Demnach trugen 2023 zwischen 0,6 und 6 Prozent der Tiere den Erreger in sich. 2024 waren es zwischen 0,2 und 2 Prozent. Die Untersuchungen hätten außerdem gezeigt, dass das Virus sich lokal vermehre und nicht von anderen Orten eingetragen worden sei.

Warum wird der Anteil in einer Spannweite zwischen 0,6 und 6 Prozent angegeben? Die Forscher testeten die Mücken nicht einzeln, sondern in Gruppen von je zehn Tieren. Zeigte eine Gruppe ein positives Ergebnis, war klar: Mindestens eine Mücke war infiziert – vielleicht aber auch alle zehn. Weil das nicht unterschieden werden kann, lässt sich nur eine Spanne angeben.

Erste Infektion in Deutschland im Jahr 2019

Das West–Nil–Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Mücken und Vögeln. Aber auch Menschen können durch den Stich einer Mücke infiziert werden, die das Virus in sich trägt. Hauptsächlich wird es von heimischen Stechmücken der Art Culex pipiens übertragen. Das Virus tritt in den Sommermonaten auf, vor allem im August.

Der Erreger stammt ursprünglich aus Afrika, kommt aber seit langem auch in Südeuropa und Südosteuropa vor. 2019 gab es die erste bekannte Infektion durch eine Mücke in Deutschland. »Berlin ist seit sieben Jahren konstant ein WNV-Hotspot mit erhöhten Nachweisen«, erklärte die Charité-Biologin.

Menschen mit West–Nil–Fieber in Berlin möglicherweise hundertfach höher

In der Hauptstadt wurden vergangenes Jahr 5 West–Nil–Fälle gemeldet, 2024 waren es 7, 2023 war es einer, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in einer Datenbank angibt. Dabei werden allerdings Reiserückkehrer mitgezählt, die sich im Ausland infiziert haben. Deutschlandweit waren es demnach 14 Fälle im Jahr 2025, 49 im Jahr 2024 und 16 im Jahr 2023. Wissenschaftler gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

»Die Zahl der Menschen mit West–Nil–Fieber in Berlin könnte um mindestens das 100-Fache höher liegen«, erklärte der Charité-Virologe Victor Corman. Es ist den Experten zufolge anzunehmen, dass die Fälle aufgrund des Klimawandels zunehmen. Dem RKI ist bundesweit ein Todesfall in Zusammenhang mit einer in Deutschland erfolgten Infektion bekannt: 2020 starb eine Person aus Sachsen, nachdem sie sich in Deutschland infiziert hatte.

Bei den meisten Menschen verläuft eine Infektion laut RKI unbemerkt. Etwa ein Fünftel der Infizierten entwickelt das West–Nil–Fieber mit grippeähnlichen Symptomen. Nur etwa ein Prozent der Infektionen führt zu schweren neuroinvasiven Erkrankungen, die eine Gehirnhautentzündung zur Folge haben können. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen.

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