| Isabel Weinert |
| 17.04.2026 08:00 Uhr |
Gen Z ist faul, Boomer bekommen gar nichts mehr auf die Kette? Nichts davon stimmt. Menschen verschiedenen Alters können vielmehr voneinander profitieren, auch bei der Arbeit. / © Getty Images/Westend61
»Mensch, die Boomerin weiß dauernd alles besser«. »Schon wieder kommt sie zu spät, kein Wunder – Gen Z«. Denken Kollegen und Kolleginnen in dieser Weise voneinander, kann es schwierig werden, gerade auch im Mikrokosmos der Apotheke. Konflikte können sich um Werte und Arbeitsmoral ranken, indem jüngere Menschen eher weniger zu arbeiten bereit sein sollen und viel Anerkennung bräuchten und Ältere alles für ihre Arbeitgebenden gäben, sehr Pflichtbewusst und loyal seien. Gewinnen lässt sich für alle Seiten aus beiden Welten vieles: So profitieren Jung und Alt gleichermaßen von flexiblen Arbeitszeitmodellen und Vorgesetzte können beide Seiten stark machen, indem sie immer wieder Anerkennung für Geleistetes zollen. Ältere Menschen können sich über Nachfragen jüngerer, warum Prozesse ablaufen, wie sie ablaufen, freuen und das als Anregung sehen, gemeinsam etablierte Strukturen zu hinterfragen. Innovation ist kein Angriff auf die Person, sondern dient auch der Weiterentwicklung der älteren Mitarbeitenden.
Der nächste häufigere Konfliktpunkt: die Nutzung von Technologie auf der einen Seite contra bewährtes manuelles Vorgehen. Um hieraus Gutes zu kreieren, wäre die Bildung von Tandems eine Idee: Jeweils ein älterer und ein jüngerer Mensch »beschenken« sich mit ihrem Wissen. Auf was muss ich achten, wenn ich Rezepte prüfe (die es auch noch in Zeiten des E-Rezepts gibt) – das kann die jüngere Person von der älteren lernen. Wie kann ich Menschen digital via soziale Medien, Messenger oder Apotheken-App am besten ansprechen? Das zeigt der jüngere Mensch dem älteren. Und wer weiß, ob solch ein Apothekenteam-Tandem nicht auch zum Social-Media-Star werden kann?
Ein weiterer »Trigger« im Umgang miteinander: die Art der Kommunikation mit Kunden. »Viel zu flapsig«. »Viel zu wissenschaftlich«. »Mit viel zu viel Tratsch«. So könnten Gedanken aussehen über die andere oder den anderen jeweils anderen Alters. Wie das positiv geht? Indem sich Ältere auf das frische Uniwissen der Jüngeren einlassen und lernen, sich für diese Inhalte mal wieder zu begeistern wie einst, als man selbst noch die Schulbank drückte. Dafür ließen sich sogar regelmäßige Meetings etablieren. Die Jüngeren hingegen können reich aus der Erfahrung der Älteren schöpfen, etwa, wie man mit schwierigen Kunden zurechtkommt und sich möglichst nicht persönlich angegriffen fühlt, wie man Sachverhalte auf einfache Weise über den HV bringt und welche praxisnahen Anwendungstipps bei Medikamenten und Medizinprodukten Patienten einen echten Nährwert bringen.