Bei der Arbeit, aber dauernd abgelenkt? Das kann besonders auch in der Apotheke schlecht ausgehen. / © Adobe Stock/artiemedvedev
Konzentration ist im Apothekenalltag unerlässlich. Wer seine Aufmerksamkeit gezielt auf eine Sache richtet und störende Reize ausblendet, nutzt die sogenannte selektive Aufmerksamkeit. Sie funktioniert wie ein Scheinwerfer, der einen bestimmten Bereich beleuchtet. Die Daueraufmerksamkeit wiederum ermöglicht es, über längere Zeit bei einer Aufgabe zu bleiben. Die kognitive Kontrolle hilft dabei, Ablenkungen zu widerstehen.
Nicht jede Unaufmerksamkeit hat schwerwiegende Folgen. Ein falsch eingeräumtes Produkt kostet vielleicht nur Zeit. Wird dagegen eine unpassende Dosis ausgewählt, eine wichtige Information überhört oder eine falsche Menge eingewogen, kann die Patientensicherheit betroffen sein.
Wie häufig Störungen vorkommen, zeigt ein Scoping Review von 2025 mit 51 Studien zur Apothekenpraxis (How do interruptions and distractions affect pharmacy practice? A scoping review of their impact and interventions in dispensing). Je nach Untersuchung wurden Beschäftigte weniger als fünf- bis mehr als 20-mal pro Stunde unterbrochen oder abgelenkt. Häufige Störquellen waren Telefonanrufe sowie Fragen von der Kundschaft oder aus dem Team. Auch selbst initiierte Aufgabenwechsel und privates Surfen kamen vor. Die Studien deuten darauf hin, dass solche Unterbrechungen die Arbeitsbelastung erhöhen, Arbeitsabläufe beeinträchtigen und Fehler begünstigen können.
Ein großes Thema sind digitale Ablenkungen. Smartphone und soziale Medien liefern ständig neue Reize. Nach einer E-Mail-Nachricht kurz noch WhatsApp öffnen, eine Sprachnachricht abhören, ein paar Reels ansehen – dabei wechselt die Aufmerksamkeit mehrfach zwischen unterschiedlichen Inhalten. Schon eine aufpoppende Smartphone-Benachrichtigung kann die Aufmerksamkeit beeinträchtigen.
Das zeigt eine Studie mit 180 Studierenden der Universität Lyon. Während die Teilnehmenden eine Konzentrationsaufgabe bearbeiteten, erschienen auf dem Bildschirm Benachrichtigungen von sozialen Medien. In etwa sieben Sekunden nach einer Benachrichtigung reagierten die Teilnehmenden langsamer. Besonders stark war der Effekt, wenn sie glaubten, die Nachrichten seien persönlich an sie gerichtet.
Aber auch Benachrichtigungen, die erkennbar nicht für sie bestimmt waren, störten. Wie stark die Reaktionen verlangsamt wurden, hing zudem damit zusammen, wie häufig die Teilnehmenden gewöhnlich Benachrichtigungen erhielten und ihr Smartphone kontrollierten.
Schlechter Schlaf kann die Konzentrationsfähigkeit ebenfalls beeinträchtigen. Eine Metaanalyse von 44 Studien zeigte, dass bereits eine Nacht mit nur zwei bis sechs Stunden Schlafmöglichkeit die Daueraufmerksamkeit beeinträchtigte. Die Teilnehmenden reagierten langsamer und hatten häufiger Aussetzer bei ihrer Aufmerksamkeit. Nach einer schlechten Nacht ist daher bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten besondere Sorgfalt gefragt. Müdigkeit lässt sich nicht einfach durch den Vorsatz ausgleichen, sich besonders gut zu konzentrieren, aber das Bewusstsein für das Problem hilft, besonders gut aufzupassen.
Nicht jede Unterbrechung ist vermeidbar oder unnötig. Problematisch kann es aber werden, wenn anspruchsvolle Tätigkeiten immer wieder unterbrochen werden. Das verdeutlicht eine australische Studie mit 70 Intensivpflegekräften. In einer realitätsnahen Simulation bereiteten sie Medikamente zur intravenösen Gabe vor und verabreichten diese. Wer dabei zwölfmal unterbrochen wurde, machte etwa doppelt so viele klinische Fehler wie Pflegekräfte, die nur drei Unterbrechungen erlebten. Zwar lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf Apotheken übertragen, sie verdeutlichen aber, warum möglichst störungsfreies Arbeiten gerade bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten wichtig ist.
PTA können gemeinsam mit dem Team überlegen, wie sich vermeidbare Störungen reduzieren lassen. Beispielsweise kann vereinbart werden, Kolleginnen und Kollegen während besonders anspruchsvoller Arbeitsschritte möglichst nur bei wichtigen Anliegen zu unterbrechen.
Um Ablenkungen zu vermeiden, kann es helfen, das private Smartphone außer Sicht aufzubewahren. Benachrichtigungstöne sind in der Apotheke ohnehin ausgeschaltet. Nachrichten können in der Pause abgerufen werden.
In einer Studie mit 237 Personen fühlten sich diejenigen, die ihre Benachrichtigungen nur dreimal täglich gesammelt erhielten, aufmerksamer, produktiver und weniger gestresst. Ein vollständiges Abschalten aller Benachrichtigungen war dagegen mit mehr Ängstlichkeit und der Sorge verbunden, etwas zu verpassen.
Auch Pausen helfen. Eine Metaanalyse zu Mikropausen zeigt, dass kurze Pausen Müdigkeit reduzieren und das Gefühl von Energie steigern können – auch wenn sie nicht automatisch die Arbeitsleistung verbessern. Bewegung kann kognitive Funktionen ebenfalls unterstützen. In der Apotheke hat man sie oft automatisch, kann sie aber noch anreichern, etwa mit Kniebeugen oder Ausfallschritten, wenn gerade keine Kundschaft da ist.
Konzentration und damit Fehlervermeidung ist nicht nur eine Frage der persönlichen Disziplin. Auch Arbeitsorganisation und Teamkultur entscheiden darüber, ob PTA bei anspruchsvollen Tätigkeiten ungestört arbeiten können. Nicht jede Unterbrechung muss verhindert werden. Entscheidend ist, vermeidbare Störungen dort zu reduzieren, wo volle Aufmerksamkeit besonders wichtig ist.