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Schule, Friseur, Supermarkt
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Wo ist das Infektionsrisiko besonders hoch?

Beim Friseur, beim Einkaufen, im Kino: Eine Studie vergleicht das Infektionsrisiko für eine Ansteckung mit Covid-19 in verschiedenen Innenräumen – mit klaren Aussagen. Doch nicht alle Experten teilen diese in vollem Umfang. Wie schwer es ist, die echte Welt in Modelle zu pressen.
AutorKontaktdpa
Datum 15.02.2021  16:00 Uhr

Hohes Risiko in Schulen und Büros

Dies gelte etwa für Oberschulen, für die sich das Risiko angesichts vergleichbarer Klassen- und Raumgrößen gut abbilden lasse. Auch das Risiko in Büroräumen sei eindeutig. «Diese Aussagen sind richtig und wichtig», betont Lelieveld. »Die Öffentlichkeit sollte verstehen, dass sie mit dem Öffnen der Schulen ein hohes Risiko eingeht.« Auch der Homeoffice-Anteil im Beruf sei noch sehr ausbaufähig.

Andere Aussagen der Studie sieht Lelieveld kritisch – etwa zum Risiko in Schwimmhallen, das nach Kriegels Studie beträchtlich ist. Eine Anfrage von einem Schwimmbadverband, das Infektionsrisiko zu berechnen, lehnte Lelieveld ab. »Dafür müsste man für die großen Hallen die Aerosolströmungen gut simulieren«, sagt er. »Das können wir nicht.« Auch für Restaurants und Fitnessstudios seien genaue Angaben schwierig: »Diese Aussagen würde ich so nicht unterstützen.«

Weiterer wichtiger Faktor

Der Physiker Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen betont, dass man relativ gut die Wahrscheinlichkeiten für Infektionen unter gegebenen Bedingungen abschätzen könne. Wichtig sei jedoch, alle Eventualitäten zu betrachten.

Ein Beispiel: Falls sich in einem Restaurant Menschen verabreden, die ohnehin Kontakt zueinander hätten, könnte es sein, dass die ganze Gruppe ansteckend sei, ohne es zu wissen. Dann sei die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sich andere Personen über infektiöse Aerosole anstecken als etwa beim Friseur, den Kunden meist unabhängig voneinander besuchten.

Unabhängig vom jeweiligen Ort hänge das Risiko enorm von einem Faktor ab: der Verbreitung des Virus in der Bevölkerung. »Wenn die Prävalenz sinkt, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt eine infizierte Person in einem Raum ist.« Deshalb begrüßt Bodenschatz den jüngsten Beschluss der Bund-Länder-Konferenz, Lockerungen der Corona-Maßnahmen erst ab der Zahl von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen zu erwägen. »Eigentlich sollte man die Inzidenz soweit runter drücken, wie es irgendwie geht.«

Die Experten betonen, dass politische Entscheidungen auch von vielen anderen Faktoren abhängig seien. Studienautor Kriegel möchte seine Kalkulationen nicht als Vorgabe an die Politik bezüglich möglicher Lockerungen verstanden wissen. »Ich möchte keine Empfehlungen abgeben«, betont er. »Wir liefern Informationen. In die Entscheidungsprozesse werden wir nicht eingebunden.«

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