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Moderne Hilfsmittel
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Wunden richtig versorgen

Eine moderne Wundversorgung hängt von Art, Tiefe und Lokalisation der Verletzung ab. Feuchte Auflagen verbessern das Ergebnis vor allem bei schlecht heilenden Wunden. Sind sie oberflächlicher Natur, kann man sie auch verschorfen lassen. Bei chronischen Wunden geht es auch immer darum, die Grunderkrankung zu therapieren. Ein Überblick.
AutorKontaktMichael van den Heuvel
Datum 14.08.2020  16:45 Uhr

Kleine Blase, großes Malheur

Wer lange wandert oder mit neuem Schuhwerk unterwegs ist, kennt noch ein anderes Problem: Durch die mechanische Beanspruchung und die Wärme verschieben sich verschiedene Hautschichten gegeneinander. Hohlräume entstehen und füllen sich mit Gewebswasser: Die typische Blase hat sich gebildet, und jeder Schritt schmerzt.

Das ist normalerweise kein Grund zur Besorgnis. Wegen der Infektionsgefahr sollten Blasen nicht angestochen werden. Zur Abdeckung eignen sich Pflaster auf Basis der Hydrokolloid-Technologie, um sofort wieder mobil zu sein und sich uneingeschränkt bewegen zu können. Deshalb sollten sie in keinem Rucksack und keiner Handtasche fehlen. Patienten mit Diabetes mellitus oder mit chronisch-venöser Insuffizienz sei geraten, sofort zum Arzt zu gehen, weil chronische Wunden drohen.

Hat sich eine Wunde infiziert, verzögert das die Heilung. In 60 bis 90 Prozent aller chronischen Wunden findet man Studien zufolge Biofilme, also Schichten aus Keimen, Polysacchariden und Pilzen. Innerhalb dieser Zone kommunizieren die vorhandenen Erreger chemisch über Signalstoffe miteinander. Bei diesem »Quorum sensing« sprechen sich die Keime regelrecht ab und koordinieren ihre weitergehende Struktur im Verbund. Prblematisch: Mit Antibiotika sind Bakterien in diesem höher organisierten Verband kaum noch angreifbar.

Solchen Belägen kommt man nur mit dem sogenannten Débridement bei, der Wundtoilette, bei der chirurgische Instrumente die Beläge mechanisch abtragen. Danach kommen funktionale Wundauflagen zum Einsatz. Sie enthalten beispielsweise das Antiseptikum Polyhexanid. Es hat ein deutlich breiteres Wirkungsspektrum als PVP-Iod, Octenidin oder Chlorhexidin und wird von Wunden nicht resorbiert. Silber wirkt in Wundauflagen ebenfalls antimikrobiell.

Octenidin ist ohnehin nur zur oberflächlichen Anwendung bestimmt und sollte mittels Tupfer oder Aufsprühen aufgetragen werden. Es darf nicht mit einer Spritze in tiefere Gewebeschichten eingebracht werden, denn der Kontakt tiefer Wunden mit Octenidin birgt das Risiko schwerer toxischer Gewebeschäden.

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