Bindungsangst kann Beziehungen belasten und echte Nähe erschweren / © Getty Images/PeopleImages
Bindungsangst ist kein offizieller klinischer Begriff, sondern hat sich im Alltag etabliert. Das Thema wurzelt in der Bindungstheorie. Sie beschreibt, wie frühe Beziehungserfahrungen Bindungsmuster prägen, die bis ins Erwachsenenleben wirken. Was umgangssprachlich als Bindungsangst gilt, entspricht dem ängstlich-vermeidenden Bindungsstil – kein Krankheitsbild, sondern ein erlerntes Beziehungsmuster.
Menschen mit diesem Beziehungsstil »wirken sehr tough und selbstbewusst«, sagt Psychologin und Coachin Linda-Marlen Leinweber. »Sie können gut auf eigenen Beinen stehen, weil das Höchste und Wichtigste für sie die eigene Freiheit und Autonomie ist.«
Doch hinter dieser Fassade verberge sich häufig ein tiefer Wunsch: »Innerlich aber wünschen sie sich eigentlich, jemanden zu finden, dem sie dann doch mal vertrauen können«, so die Autorin, die sich auch in ihrem Buch (»Frei und trotzdem verbunden«) mit dem Thema auseinandersetzt.
Ein ängstlich-vermeidender Bindungsstil geht laut Leinweber meist auf Erfahrungen in der Kindheit zurück – etwa wenn ein Mensch in seiner Kindheit nicht »diese konstante Liebe und Aufmerksamkeit bekommen hat, die eigentlich jedes Kind braucht«.
Die Folge ist eine tiefsitzende innere Ambivalenz: Betroffene sehnen sich nach Verbindung und fliehen gleichzeitig davor. »Da ist so eine Angst vor echter Nähe, eine Angst vor großen Gefühlen – und deshalb machen sie immer wieder Rückzieher«, so Leinweber.
Nach außen kommen Menschen mit Bindungsangst oft gut alleine zurecht. Innerlich aber ist die Situation häufig belastend. »Das Schwierigste für Menschen, die in so einem Muster feststecken, ist, dass sie ihrem eigenen Wunsch nach Verbundenheit nicht nachgehen können«, so Leinweber – aus Angst vor Verletzung.
Nicht jede Zurückhaltung in einer Beziehung ist ein Zeichen von Bindungsangst. Doch es gibt Hinweise, die aufhorchen lassen sollten. Leinweber rät zur Selbstbeobachtung: »Wenn man bei sich selbst merkt: Ich brauche diese Kontrolle darüber, wie nah wir uns in der Beziehung sind – und wenn man intuitiv automatisch in die Distanz geht, sobald Tiefe und Verbundenheit entstehen könnten, dann würde ich genauer hinschauen.«
Auch wiederkehrende Glaubenssätze sind aufschlussreich. Überzeugungen wie »Ich kann auf niemanden zählen« oder »Ich will keine Hilfe annehmen, ich schaffe alles alleine« können Hinweise auf einen ängstlich-vermeidenden Bindungsstil sein.