Die gute Nachricht: Bindungsangst muss kein Schicksal sein. Leinweber empfiehlt, die Arbeit daran möglichst im Dialog zu gestalten, ob mit einer Therapeutin, einem Therapeuten, Freunden oder einem Coach.
Wer die Ursachen verstehen möchte, sollte sich professionelle Hilfe suchen. »Zu verstehen, warum der Schmerz da ist und warum diese Schutzstrategie entstanden ist und wie ich sie auflösen kann, kann sehr intensiv werden«, so die Psychologin. Es brauche Zeit und Wiederholung, Verhaltensmuster neu zu überschreiben.
Parallel dazu gibt es Ansätze zur Selbsthilfe. Leinweber empfiehlt, die eigene Gefühlswelt bewusst wieder zu erkunden – zum Beispiel durch ein Emotionstagebuch: Was hat mich heute kurz dankbar sein lassen? Was hat mich verärgert? Was war meine Bewältigungsstrategie? Solche Fragen helfen, einen differenzierteren Zugang zu den eigenen Emotionen zu entwickeln.
Viele Betroffene fragen sich, ob sie sich jemals wirklich sicher in einer Partnerschaft fühlen können. Leinweber ist optimistisch: Die eigene Vorstellung davon, was Beziehung bedeutet, lasse sich immer wieder korrigieren.
Zugleich warnt sie vor überhöhten Erwartungen: »Das ist wie eine Zwiebel zu schälen – und dann kommt irgendwie die nächste Schicht und die nächste Schicht. Den Anspruch zu haben, dass man jetzt irgendwie völlig befreit ist – diesen Druck möchte ich nehmen.«
Stattdessen empfiehlt sie, Partnerschaft als gemeinsamen Lernprozess zu begreifen: »Wir dürfen als Paar gemeinsam wachsen. Es gibt immer mal wieder Momente, die herausfordernd sind. Aber wenn man sich dem stellt – und das kann man auch immer mit Unterstützung von außen machen – kann das sehr transformierend sein.«