| Barbara Döring |
| 08.05.2026 16:00 Uhr |
Lust auf Liebe – Gespräche und die Wünsche des Partners zu verstehen, sind dafür eine wichtige Basis. / © GettyImages/ YakobchukOlena
Manch einer vermisst ihn vielleicht gar nicht, bei anderen steht die Beziehung auf der Kippe, weil er kaum noch stattfindet – Sex in der Partnerschaft hat für die einen mehr, für die anderen weniger Bedeutung. Die meisten Menschen sehen ihn jedoch als wichtigen Bestandteil einer langfristigen Beziehung, sagt Wieland Stolzenburg, Psychologe mit Onlinepraxis für Beziehungsberatung. Doch irgendwann kommt vielleicht der Punkt, an dem Sexualität zum Reizthema wird. Vielleicht ist bei einem die Lust eingeschlafen, doch der andere wünscht sich nach wie vor mehr Intimität, oder andere Dinge haben zurzeit Priorität.
»Wenn die Sexualität in der Partnerschaft weniger wird und Paare etwas ändern möchten, ist es erst einmal wichtig, die Gründe dafür zu verstehen«, sagt Stolzenburg. So liege der Fokus erst einmal woanders, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Dann sei es keine Krise der Sexualität, sondern einfach ein Lebensumstand, auf den man sich erst einmal einstellen muss. Sexualität spiele danach meist auch wieder eine größere Rolle.
Auch mit zunehmendem Alter wird Sex für viele Menschen weniger wichtig. So zeigt die Berliner Altersstudie (BASE II), dass etwa zwei Drittel der Menschen ab 60 Jahren weniger sexuell aktiv sind und auch weniger an Sex denken als in jüngeren Jahren. Gefühle für Intimität und Geborgenheit bleiben aber in der Regel bestehen. Für ein Drittel der Älteren hat Sex nach wie vor einen hohen Stellenwert. Allerdings wird das Liebesleben im fortgeschrittenen Alter nicht selten durch körperliche Beschwerden gedämpft.
Dann fehlen nicht Lust und Leidenschaft, sondern der Körper kann nicht so, wie es der Kopf sich wünscht. Häufige Ursache ist bei Männern eine erektile Dysfunktion (ED). Dabei erreicht der Mann keine ausreichende Erektion oder kann diese nicht lange genug für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr halten. Im medizinischen Sinne besteht eine ED, wenn Betroffene innerhalb von sechs Monaten in mindestens 70 Prozent der Versuche keine ausreichende Erektion erreichen.
In Deutschland sind Schätzungen zufolge drei bis fünf Millionen Menschen davon betroffen. Psychische Probleme bis hin zu seltenen Hormonstörungen können die Ursache sein. In den meisten Fällen liegen jedoch Gefäßveränderungen vor, oft aufgrund von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes. Das Zentrum für Erektionsstörungen bietet im Internet einen Selbsttest, der zeigt, ob Anzeichen einer krankhaften ED vorliegen.
Männer, die davon betroffen sind, sollten sich nicht scheuen, zeitig zum Arzt zu gehen, rät Professor Dr. Nicolas Diehm, Ärztlicher Direktor am Zentrum für Gefäßmedizin in Aarau, Schweiz, und Mitbegründer des dort ansässigen Zentrums für Erektionsstörungen. »Eine erektile Dysfunktion kann ein wichtiger Vorbote eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sein, da in den meisten Fällen ein Gefäßproblem die Ursache ist«, so Diehm.