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Nebenwirkungen
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Arzneimittel als Lustkiller

Die Erkrankung ist gut eingestellt, doch das Liebesleben bleibt auf der Strecke? PTA Forum gibt einen Überblick, welche Medikamente sexuelle Störungen auslösen können und welche Rolle der Nocebo-Effekt in der Beratung spielt.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 11.05.2026  08:00 Uhr

Anti-Baby-Pille

Seit vielen Jahren wird diskutiert, ob die Anti-Baby-Pille die Libido der Frau vermindern könnte. Studienergebnisse zum Einfluss der hormonellen Kontrazeption (KOK) auf die Sexualität sind uneinheitlich. Ein Review, für das 36 Studien ausgewertet wurden, ergab: 22 Prozent der KOK-Anwenderinnen berichteten über eine Zunahme der Libido, 64 Prozent empfanden keine Änderung, 15 Prozent gaben eine Abnahme ihrer Libido an.

In der S3-Leitlinie zur hormonellen Empfängnisverhütung wird darauf hingewiesen, dass das erlebte Liebesleben von sehr vielen Faktoren abhängt wie Partnerschaft, Alter oder Kinderwunsch. Die Beurteilung der eigenen Libido sei zudem immer subjektiv. So könnte das Gefühl einer befreiten Sexualität durch sichere Verhütungsmittel die Libido auch positiv beeinflussen. Die Leitlinie hält fest, dass KOK unter anderem die Libido im Sinne einer Zu- oder Abnahme beeinflussen können, die meisten Frauen jedoch keine Änderungen verspüren.

Weitere Wirkstoffe

Antiepileptika sind eine weitere Medikamentengruppe, die sich auf die Sexualität auswirken kann; unter Gabapentin und Topiramat etwa sind Orgasmusschwierigkeiten und verminderte Libido möglich. Eine Therapie mit 5-Alpha-Reduktasehemmern wie Finasterid oder Dutasterid zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie oder bei Haarausfall kann eine ED zur Folge haben, die mitunter auch nach Absetzen der Medikation länger anhält. Die Rede ist dann vom Post-Finasterid-Syndrom (PFS).

Berichten Kunden in der Apotheke von entsprechenden Nebenwirkungen oder machen sie unklare Andeutungen, sollten PTA in jedem Fall zu einem ärztlichen Gespräch raten, auch weil Grunderkrankungen die Ursache sein könnten. Würden Nebenwirkungen auf die Sexualität beim Kunden direkt angesprochen, könnte das unter Umständen zum Nocebo-Effekt beitragen. Allgemein nach Nebenwirkungen zu fragen, hilft dem Kunden dagegen, zu sexuellen Problemen ins Gespräch zu kommen. In vielen Fällen lässt sich die Medikation ärztlich umstellen oder die Dosierung anpassen, um sowohl ein befriedigendes Therapieergebnis als auch ein erfüllendes Liebesleben zu ermöglichen.

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