Je nach Ausprägung der Beschwerden kommen nicht hormonelle Methoden zum Einsatz wie vaginale Gleitmittel oder Moisturizer mit Hyaluron oder Milchsäure. Als hydrophiles, vernetztes Polymer bleibt Hyaluronsäure an der Vaginalwand haften und hält die Feuchtigkeit lokal verfügbar. Zusätzlich enthaltene Lipide wie Jojoba- und Mandelöl (in Kadehydro® Befeuchtungscreme oder -ovula) beruhigen und ziehen einen pflegenden Film auf die gereizte Vaginalhaut auf.
Auch eine Gabe von Lactobazillen kann versucht werden. Eine kleine Untersuchung an postmenopausalen Frauen zeigte etwa, dass der vaginale pH-Wert und in der Folge pathogene Keime abnahmen, wenn die Frauen drei Lactobacillus-haltige Intimhygieneprodukte mit L. plantarum und L. rhamnosus nutzten (wie Kadeflora® oder Vagisan® Probioflora Milchsäurebakterien). Hinweis: Seit rund zwei Jahren dürfen Präparate, die lebensfähige Lactobazillen enthalten, nur noch als Arzneimittel auf den Markt gebracht werden. Das setzt voraus, dass ihre Wirksamkeit durch Studien belegt ist.
Als hormonelle Maßnahmen können lokal Estrogene (vor allem Estriol) appliziert werden, die in verschiedenen Darreichungsformen wie Creme, Ovula oder Zäpfchen verfügbar sind (Oekolp®, Ovestin®, Estriol Wolff®, Oestro-Gynaedron®). Anfangs erfolgt die Therapie täglich, nach wenigen Wochen ist eine zweimalige Anwendung pro Woche oft ausreichend. Manche Präparate enthalten zusätzlich Milchsäurebakterien.
Weil der Estrogenmangel ursächlich ist, muss eine Therapie über die Wechseljahre hinaus erfolgen. Die Expertin erklärte das so: »Die menopausal bedingte Trockenheit ist ein chronisch fortschreitendes Problem. Es ist daher essenziell, den Betroffenen vom Arzt und auch bei der Abgabe in der Apotheke zu vermitteln, dass es sich um eine dauerhafte Erhaltungstherapie handelt und nicht um eine kurative Behandlung, bei der nach kurzer Anwendung das Problem gelöst ist.« Anders sehe es bei jüngeren Frauen aus, die etwa nach einer Antibiotikatherapie unter einem vorübergehenden Reizzustand leiden. Dann sei die kurzzeitige lokale Behandlung ausreichend.
»Ich sehe in der Kombination von topischem, niedrig dosiertem Estriol und einem Hyaluronsäurepräparat eine sinnvolle Behandlungsoption, vor allem, wenn die Schleimhaut in der Postmenopause sehr dünn geworden ist und wenn Geschlechtsverkehr ohne Schmerzen quasi nicht mehr möglich ist«, informierte Görlitz-Novakovic. Zumal das alleinige Estriol-Auftragen zu Anfang brennt, weil die atrophierte Schleimhaut erst aufgesättigt werden muss. Befeuchtende Zubereitungen mit Hyaluronsäure können diese Phase gut überbrücken helfen.
Görlitz-Novakovic sieht auch einen großen Bedarf an hormonfreien Alternativen, um die Scheidentrockenheit anzugehen. Schließlich stünden viele Frauen einer Therapie mit Estrogenen kritisch gegenüber – auch wenn sie nur lokal erfolgt und niedrig dosiertes Estriol, lokal angewendet, nachweislich keine systemische Wirkung nach sich zieht. »Und auch die große Patientinnengruppe mit überstandener Brustkrebserkrankung oder Frauen mit Thromboseangst, die Hormone prinzipiell meiden möchten oder sollten, verlangt nach hormonfreien Topika.«
»Weil sich die Schleimhaut nicht nur im Vaginalbereich verändert, sondern auch im unteren Harntrakt um den Eingang der Harnröhre, ist auch die Bezeichnung des urogenitalen Menopausensyndroms gebräuchlich«, so Görlitz-Novakovic. Rezeptoren für Estrogen finden sich im weiblichen Genitaltrakt und in der unteren Harnröhre, da beide Gewebe den gleichen embryonalen Ursprung haben.
Daraus erwachsen neue Beschwerden für die Frauen: Schmerzen beim Urinieren, gesteigerter Harndrang, häufigere Toilettengänge. »Die Erfahrung zeigt, dass diese Beschwerden mitunter nicht der Menopause zugeordnet werden, sondern eher einer Harnwegsinfektion. Doch verordnete Antibiotika haben keinen Effekt. Der Gang zum Urologen ist deshalb der falsche Ansatz«, schilderte die Expertin die Schwierigkeiten bei der Einordnung der Symptome.
Erst infolge des Estrogenmangels würden auch vermehrt Blasenentzündungen oder Harnwegsinfekte auftreten. Manche Frauen erleiden ihr zufolge mehr als zehn Infekte pro Jahr. »Dabei kann eine lokale Estrogentherapie, eventuell kombiniert mit befeuchtenden Topika, den betroffenen Frauen Leid – und Antibiotika – ersparen.«