PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Diskussionrunde auf der Expopharm
-
Bewusstsein schaffen für »Gender Health«

Geschlechterunterschiede spielen bei der Erkennung und Behandlung vieler Erkrankungen eine Rolle. Warum auch die Apotheke für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung wichtig ist, war Thema des Expopharm-Panels »PZ Nachgefragt: Vorurteilt ihr noch, oder versorgt ihr schon?« im PTA-Home LevelUp. Im Mittelpunkt standen Frauengesundheit und konkrete Versorgungslücken. 
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 18.09.2026  10:00 Uhr
Bewusstsein schaffen für »Gender Health«

Die Apothekerin Olivia Peter von den Apotheken mit Herz in Berlin setzt sich im Verein Spitzenfrauen Gesundheit für geschlechtsspezifische Pharmazie, Frauengesundheit und moderne Aufklärung ein. Im Gespräch mit PZ-Moderatorin Paulina Kamm betonte sie, wie wichtig geschlechtsspezifische Leitlinien, Dosierungen, Therapien und Diagnostik sind, und forderte dafür mehr Forschung und politische Unterstützung ein.

Frauengesundheit müsse in der Gesellschaft sichtbarer gemacht werden, so Peter. Beschwerden wie PMS oder andere zyklusabhängige Symptome dürften nicht vorschnell als »normal« abgestempelt werden. Gerade wenn diese Leiden die Lebensqualität oder die psychische Gesundheit stark beeinträchtigten, müssten sie erkannt und ernst genommen werden. Vor allem das Thema Wechseljahre müsse stärker als medizinisches, gesellschaftliches und politisches Thema behandelt werden.

Die Apothekerin kritisierte, dass Frauengesundheit in ihrer eigenen pharmazeutischen Ausbildung kaum eine Rolle gespielt habe. Deshalb müsse geschlechtsspezifische Medizin bereits im Studium und später durch regelmäßige Fortbildungen stärker verankert werden.

Apotheken können Orientierung geben

Apotheken sind laut Peter eine wichtige Anlaufstelle für Frauen, weil Patientinnen dort häufig regelmäßiger vorbeikommen als in Arztpraxen. Vor allem für Menschen ohne hausärztliche Versorgung könne die Apotheke vor Ort ein wichtiger Anlaufpunkt sein. Das pharmazeutische Personal könne Symptome erkennen, zuhören, Orientierung geben und bei Bedarf an geeignete medizinische Stellen weiterleiten. »Wir müssen mit der Ärzteschaft zusammenarbeiten. Und das wirklich Hand in Hand und auf Augenhöhe«, sagte sie.

Peter sieht die Vor-Ort-Apotheke als wichtigen Ort für Prävention und individuelle Gesundheitsberatung. Dazu zählen für sie etwa der Blick auf Blutwerte und Vorsorge, Beratung zu Ernährung und Bewegung sowie Impfchecks. Auch spezielle Beratungsangebote zu Themen wie Endometriose, Wechseljahre oder Geburt könnten ihrer Ansicht nach in der Apotheke stattfinden. Entscheidend sei, Patientinnen nicht nur ein Medikament auszuhändigen, sondern ihre individuellen Beschwerden im Zusammenhang zu betrachten.

Damit solche Beratungsangebote flächendeckend funktionieren können, braucht es laut Peter entsprechende Vergütungsmodelle. Sie wünscht sich, dass das Thema »Gender Health« als selbstverständlicher Bestandteil des Gesundheitswesens verstanden wird. Wenn dieses Bewusstsein geschaffen sei, könnten darauf aufbauend Präventions- und Versorgungskonzepte entwickelt werden, die Frauen gezielter erreichen würden.

Digitalisierung sieht die Apothekerin als Chance, Behandlung und Prävention stärker zu standardisieren und relevante Daten systematisch auszuwerten. Sie betonte, dass vorhandene Gesundheitsdaten besser genutzt werden sollten, auch in Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Ärzteschaft. Ihr Ziel ist eine stärker geschlechtsspezifische Datengrundlage. »Wir sind keine kleinen Männer«, so die Apothekerin. 

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa