Bei Jugendlichen ist einer Ärztin zufolge die Botschaft zentral, dass sie ihr eigenes Leben unbeschwert weiterleben dürfen und sich jederzeit Unterstützung holen können. / © Getty Images/Daisy-Daisy
Aus fachlicher Sicht sei das meist der falsche Weg, so Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Denn Kinder spüren in der Regel ganz genau, wenn sich ein Elternteil verändert. »Wenn ihnen niemand erklärt, was los ist, suchen sie eigene Antworten und meist die Schuld bei sich«, so die Fachärztin. Eine Tabuisierung verstärke die Verlust- und Zukunftsängste der Kinder nur. Die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau rät deshalb zum altersgerechten Gespräch. Reden hilft Kindern dabei, den inneren Zustand und das Verhalten eines depressiven Elternteils besser einzuschätzen.
Zentral sind Beschoner zufolge vier Botschaften, die jedes Kind hören sollte: »Du bist nicht schuld. Ich liebe dich genauso wie vorher. Die Krankheit ist nicht deine Verantwortung. Und: Erwachsene kümmern sich um Hilfe.«
Entscheidend sei dann die altersgerechte Vermittlung dieser Botschaften. Bei Kleinkindern reiche oftmals eine einfache Erklärung aus, die man regelmäßig wiederholt. Etwa: »Mama ist krank. Die Krankheit heißt Depression. Deshalb ist sie oft müde oder traurig. Du hast nichts falsch gemacht.«
Grundschulkinder verstehen bereits besser, dass Depressionen eine Krankheit sind, die behandelt werden kann. Auch hier sollten Eltern das Thema Schuldgefühle frühzeitig ansprechen und vermitteln, dass es nicht Aufgabe des Kindes ist, Mama oder Papa wieder gesund zu machen. Wer bereits in Behandlung ist, kann dem Kind stattdessen mitteilen, dass jemand hilft.
Bei Jugendlichen hält Beschoner zudem die Botschaft für zentral, dass sie ihr eigenes Leben unbeschwert weiterleben, Freunde treffen und Hobbys nachgehen dürfen. »Wenn sie der Zustand belastet, sollten sie sich jederzeit Unterstützung holen können«, rät die Fachärztin. Sie dürfen generell offener einbezogen werden und Fragen stellen, sollten aber nicht in die Verantwortung genommen werden.
Generell profitieren Kinder an Depressionen erkrankter Eltern davon, wenn
Die Reaktionen eines Kindes auf die psychische Erkrankung eines Elternteils können sehr unterschiedlich auffallen. Zur Vorsicht rät Beschoner besonders, wenn Kinder dauerhaft versuchen, die Rolle eines Erwachsenen zu übernehmen. Diese Rollenumkehr in der Familie wird in der Fachsprache auch Parentifizierung genannt.
Übernehmen Kinder über längere Zeit Verantwortung, die nicht ihrem Alter entspricht, kann das zu einer problematischen Überforderung führen. Eltern sollten in einem solchen Fall Hilfe beim Haus- oder Kinderarzt, bei einer Erziehungsberatungsstelle oder auch in einer psychotherapeutischen Praxis suchen.
Angehörige oder Freunde können Familien mit betroffenen Elternteilen etwa unterstützen, indem sie Kinder zum Sport fahren, Hausaufgaben begleiten oder einfach Zeit mit ihnen verbringen. Der Fachärztin zufolge brauchen Kinder das Gefühl, dass ihr Alltag stabil bleibt.
Wichtig: In akuten Krisen oder bei Hinweisen auf eine Selbstgefährdung sollten Angehörige sofort den psychiatrischen Krisendienst kontaktieren oder den Notruf 112 wählen. Kinder dürfen in solchen Ausnahmesituationen nicht auf sich allein gestellt sein.
Sind Sie verzweifelt, hoffnungslos, alles erscheint sinnlos und Sie sehen keinen Weg aus der Not? Denken Sie möglicherweise manchmal daran, sich das Leben zu nehmen? Es gibt Ansprechpartner, die dafür da sind, Menschen in Ihrer Situation zu helfen. Dazu zählen unter anderem Hausärzte, Psychotherapeuten und Psychiater oder auch Notfallambulanzen in Kliniken.
Auch die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht für Sie erreichbar. Sie berät Sie anonym und kostenfrei unter den bundesweit gültigen Nummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie per E-Mail und im Chat auf der Website der Telefonseelsorge. Kinder und Jugendliche finden außerdem auch Hilfe unter der Nummer 0800/111 0 333.
Es ist auch möglich, zu einem persönlichen Gespräch bei der Telefonseelsorge vorbeizukommen. Die 25 Standorte in Deutschland für eine Beratung vor Ort finden Sie hier.