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Impuls außer Kontrolle
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Der Drang zum Zwang

Putzfimmel oder Waschzwang? Diese Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Viele Menschen folgen Ritualen und Angewohnheiten, die für Außenstehende keinen Sinn ergeben. Den Betroffenen geben sie jedoch Struktur, verleihen Sicherheit und reduzieren Ängste. Arten harmlose Marotten jedoch aus, werden Betroffene zu Gefangenen ihrer eigenen Vorstellung. Auch die Pandemie fördert Zwänge.
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 08.01.2021  15:30 Uhr

Viele Theorien

Das Geschlechterverhältnis ist bei Zwangserkrankungen nahezu ausgeglichen, allerdings zeigen vor allem Frauen Symptome eines Wasch- und Putzzwangs. Männer leiden öfter unter Kontrollstörungen. Manchmal lassen sich konkrete Auslöser feststellen, wie etwa die Geburt eines Kindes, familiäre Konflikte oder Probleme am Arbeitsplatz. In 30 bis 50 Prozent finden sich keine Auslöser. In den meisten Fällen entwickelt sich die Erkrankung im frühen Erwachsenenalter, viele der Betroffenen kennen zwanghaftes Verhalten aber bereits aus ihrer Kindheit. Wie bei vielen anderen psychiatrischen Erkrankungen, gibt es auch bei den Zwangsstörungen keine eindeutige Erklärung, warum ein Mensch erkrankt. 

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass Zwangserkrankungen aus einem Zusammenspiel von biologischen sowie lern- und lebensgeschichtlichen Komponenten heraus entstehen. So konnten bei Zwangskranken Abweichungen bei der Impulsübertragung im Gehirn nachgewiesen werden. Das System, das für die exakte Ausführung einzelner Handlungen zuständig ist, ist übermäßig aktiviert. Zudem wird angenommen, dass eine Störung der Neurotransmittersysteme vorliegt. Das wird durch die Wirksamkeit von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) in der Therapie bekräftigt. Auch eine genetische Komponente gilt als wahrscheinlich.

Verhaltenstheoretiker definieren Zwangssymptome als ein erlerntes Verhalten, das durch seine Konsequenzen verstärkt wird. Demzufolge geraten die eigentlichen Auslöser der Zwangshandlungen im Krankheitsverlauf zunehmend in den Hintergrund. Im Vordergrund stehen die Gefühle Sicherheit und Erleichterung, die als so positiv empfunden werden, dass der Betroffene am Ausführen der Zwangsrituale festhält. Auch die Erziehung kann in diesem System eine entscheidende Rolle spielen. 

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