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Impuls außer Kontrolle
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Der Drang zum Zwang

Putzfimmel oder Waschzwang? Diese Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Viele Menschen folgen Ritualen und Angewohnheiten, die für Außenstehende keinen Sinn ergeben. Den Betroffenen geben sie jedoch Struktur, verleihen Sicherheit und reduzieren Ängste. Arten harmlose Marotten jedoch aus, werden Betroffene zu Gefangenen ihrer eigenen Vorstellung. Auch die Pandemie fördert Zwänge.
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 08.01.2021  15:30 Uhr

Sinnvolle Medikation

Wird eine Verhaltenstherapie abgelehnt, ist sie wegen langer Wartezeiten oder aufgrund der Schwere der Erkrankung nicht durchführbar, kann eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden. Das gilt auch für Patienten, bei denen durch die medikamentöse Behandlung die Bereitschaft, sich auf eine Therapie einzulassen, erhöht werden kann. Als gut belegt gilt die Wirksamkeit von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Insbesondere bei Patienten, die zusätzlich unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, hat sich diese Option bewährt. Für die Behandlung von Zwangserkrankungen setzten Psychiater SSRI hoch dosiert ein. Im Vergleich zu depressiven Patienten erhalten Zwangskranke die zwei- bis dreifache Menge. Durch die erhöhte Dosierung steigt die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen wie sexuellen Funktionsstörungen, Schlafstörungen, Übelkeit und Schwitzen. Häufig treten diese jedoch nur zu Beginn der Behandlung auf. Um ihnen vorzubeugen, wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese langsam gesteigert. Auch die Einnahme nach dem Essen ist hilfreich.

Im Durchschnitt zeigt sich eine Wirkung nach etwa acht bis zehn Wochen. Die innere Anspannung sinkt zuerst, bis die Zwangssymptome nachlassen kann noch einmal etwas Zeit vergehen. Spürt der Patient nach zehn bis zwölf Wochen keine Veränderung, rät die DGZ, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten. Das leitliniengerechte Vorgehen sieht nun vor, zunächst die Dosis des SSRI zu steigern. Bringt auch das keine Verbesserung, wird der Wechsel auf ein anderes SSRI empfohlen. Als Mittel der zweiten Wahl steht Clomipramin zur Verfügung. Es ist in seiner Wirksamkeit mit SSRI vergleichbar, zeigt aber verstärkt Nebenwirkungen. Dazu gehören neben sexuellen Funktionsstörungen, Schlafstörungen, Übelkeit und Schwitzen auch Herzrasen, Mundtrockenheit, Obstipation, verschwommenes Sehen, orthostatische Hypotonie und Müdigkeit. Andere trizyklische Antidepressiva sind in der Behandlung von Zwangsstörungen nicht wirksam.

Sprechen Patienten auf eine Therapie an, wird diese in der zuletzt wirksamen Dosis für ein bis zwei Jahre weitergeführt. Das Absetzen der Medikamente sollte schrittweise, über einen Zeitraum von mehreren Wochen erfolgen. Nach dem vollständigen Absetzen der Medikamente ist die Rückfallquote mit rund 70 Prozent allerdings sehr hoch.

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