| Caroline Wendt |
| 18.06.2026 16:00 Uhr |
Ohne eine Anpassung des Laufstils – also bei Joggen mit Fersenaufsatz in Barfußschuhen – können insbesondere im Bereich der Ferse Überlastungsprobleme auftreten: »Das kann von einer Überlastung der Sehnenplatte bis hin zu einem Ermüdungsbruch des Fersenbeins reichen.« Zudem sei nicht auszuschließen, dass sich wiederholte Stoßbelastungen langfristig auf andere Strukturen des Bewegungsapparates, etwa die Bandscheiben, auswirken könnten. Dieser Zusammenhang ist nicht eindeutig belegt, laut Dohle jedoch grundsätzlich möglich. »Der Impuls setzt sich durch den ganzen Körper fort«, warnt der Orthopäde.
Im Alltag – also beim normalen Gehen oder Laufen – ist die Impulsbelastung deutlich geringer. »Hier ist das alles nicht so heiß«, relativiert Dohle die strikte Entweder-oder-Betrachtung. »Überall, wo man barfuß laufen kann, kann man auch Barfußschuhe tragen«, so seine Empfehlung.
Den ganzen Arbeitstag, etwa in der Apotheke, in Barfußschuhen zu stehen und zu gehen, davon rät der Experte jedoch ab. Durch die lange Belastungsdauer auf meist harten Böden kann es zu Überlastungsbeschwerden kommen. Schuhe erfüllen Dohle zufolge auch eine Schutzfunktion und sollten an Belastung und Untergrund angepasst sein – ähnlich wie ein knöchelhoher Wanderschuh im Gelände sinnvoll ist.
Generell nicht zu empfehlen sind Barfußschuhe für Patienten mit Polyneuropathien in den Füßen, etwa bei Diabetes mellitus. »Diese Patienten haben nicht mehr den normalen Schutzreflex im Fuß, weil sie ihn nicht mehr richtig spüren«, erklärt Dohle. »Die Füße dieser Patienten müssen wie ein rohes Ei behandelt werden«, betont der Orthopäde – und das sei mit Barfußschuhen nicht möglich. Stattdessen müssen passgenaue Schuhe, eventuell mit speziellen Einlagen, sicherstellen, dass keine Druckstellen entstehen, da sonst Schwielen und offene Stellen drohen.
Ein weiteres Ausschlusskriterium für den regelmäßigen Einsatz von Barfußschuhen sind fortschreitende Erkrankungen des Fußes, etwa ein progredienter Knick-Senkfuß. »Solche Patienten sind mit gut angepassten Einlagen vom Orthopäden in der Regel besser versorgt«, stellt Dohle klar.
Bei Kleinkindern tritt ein Knick-Senkfuß allerdings regelhaft auf. »Der kindliche Fuß ist zunächst immer ein Knick-Senkfuß«, ordnet Dohle ein. Insbesondere im frühen Kindesalter, etwa bei Zweijährigen, gilt dies als normal und ist Teil der natürlichen Fußentwicklung. Zudem ist das Fußgewölbe in diesem Alter häufig noch unter einem Fettpolster verborgen. Mit zunehmendem Alter beginnt sich das Fußgewölbe auszubilden, sodass die Ausprägung variieren kann.
In den ersten Lebensmonaten, wenn Kinder noch nicht laufen können, sind Schuhe in der Regel gar nicht erforderlich. Danach gilt: Insbesondere bei kleinen Kindern sollten Eltern darauf achten, dass Schuhe eine flexible Sohle haben, dem Fuß ausreichend Bewegungsfreiheit bieten und stets der tatsächlichen Schuhgröße entsprechen. Barfußschuhe können diese Anforderungen grundsätzlich erfüllen, sind jedoch nicht zwingend erforderlich. Ob sie darüber hinaus zusätzliche Vorteile haben, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Unumstritten ist jedoch: »Das Laufen auf Naturboden, etwa auf Sand oder Wiese, stärkt die Muskulatur und die Koordination«, so Dohle. Bei einer ausgeprägten Symptomatik kann in Abhängigkeit vom Alter zudem die Verordnung von Einlagen erforderlich sein. »Dass in solchen Fällen Barfußschuhe eine Alternative zu Einlagen darstellen, lässt sich allerdings nicht sagen«, ordnet der Orthopäde ein. Insgesamt sei die Datenlage hierzu noch sehr begrenzt.