PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Adexa kritisiert Sparpaket
-
»Die Fixumerhöhung verpufft«

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat kürzlich die Pläne für ihr Sparpaket vorgestellt. Zwar soll das Fixum steigen, ein höherer Kassenabschlag wird die Erhöhung aber zunichte machen. Die Apothekengewerkschaft Adexa zeigt sich enttäuscht: Der finanzielle Spielraum für Gehälter, Ausbildung und Investitionen werde immer enger.
AutorKontaktPTA-Forum
Datum 17.04.2026  10:46 Uhr

Nach monatelangen Debatten um das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) und hitzigen Diskussionen über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung habe Adexa bis zuletzt auf eine positive Wende gehofft, schreiben die Vorsitzenden der Apothekengwerkschaft, Tanja Kratt und Andreas May, in einem online veröffentlichten Kommentar. Ihre Erwartung sei gewesen, »dass die im Koalitionsvertrag zugesagte Erhöhung des Fixums endlich den lange überfälligen Impuls geben könnte, die wirtschaftliche Lage der Vor-Ort-Apotheken zu stabilisieren und den Beschäftigten nach Jahren des Wartens faire Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen«.

Doch die geplanten Maßnahmen, die Warken nun präsentiert hat, seien kein Aufbruch, sondern vielmehr ein Rückschlag. Zwar soll die versprochene Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro kommen, doch gleichzeitig soll der Kassenabschlag um 30 Cent auf 2,07 Euro erhöht werden – laut der Ministerin sollen die Sparmaßnahmen ein »ausgewogenes Paket« darstellen, das alle beteiligen und die GKV-Finanzen nachhaltig stabilisieren kann. Kratt und May fragen jedoch: »Ausgewogen für wen? Während die Leistungserbringer mit den vorgestellten Maßnahmen vor den Kopf gestoßen wurden, bekommt Gesundheitsministerin Warken Rückendeckung seitens der Kassen. Das sagt alles über die tatsächliche Lastverteilung dieses Pakets.«

Weniger finanzieller Spielraum für Apotheken

Eine Erhöhung des Kassenabschlags treffe die Apotheken vor Ort unmittelbar in ihrer wirtschaftlichen Substanz, heißt es im Kommentar von Adexa. »Jeder zusätzliche Euro Abschlag bedeutet weniger finanziellen Spielraum – für Investitionen, für die Ausbildung und vor allem für die Gehälter der Angestellten.« Als alleiniger Tarifpartner für die Beschäftigten in Apotheken wisse man, wie eng die Spielräume schon heute sind. Ein höherer Kassenabschlag mache sie noch enger oder schließe sie ganz.

Für Adexa besonders bitter sei die Tatsache, dass man monatelang darauf hingewiesen habe, dass verbindliche Regelungen zur Personalfinanzierung, zur Absicherung zusätzlicher Verantwortung und zu fairen Arbeitsbedingungen fehlen. »Nun soll mit der einen Hand eine Honorarerhöhung gewährt werden, während die andere Hand über den Kassenabschlag wieder zurückholt, was gegeben wurde. Das ist kein struktureller Fortschritt. Die erhoffte Fixumerhöhung verpufft, bevor sie bei den Beschäftigten ankommt.«

Adexa fordert Personalumlage

Die Apothekengewerkschaft fordert eine gesetzliche Personalumlage von 80 Cent pro abgegebener Rx-Packung, damit Vor-Ort-Apotheken auskömmliche Gehälter und attraktivere Ausbildungsvergütungen zahlen können. Durch die Sparmaßnahmen entferne man sich nun weiter von diesem Ziel. »Wer den Fachkräftemangel in den Apotheken ernst nimmt, darf nicht gleichzeitig die wirtschaftlichen Grundlagen entziehen, die faire Bezahlung und attraktive Ausbildungsplätze erst möglich machen«, schreiben Kratt und May. Am Ende werden Adexa zufolge wohl nicht nur die Beschäftigten den Preis zahlen: Weitere Apothekenschließungen träfen vor allem die Versicherten, die auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen sind – und die dieses Sparpaket eigentlich schützen soll.

Neben den Inhalten kritisiert Adexa auch das Tempo, mit dem die Sparmaßnahmen umgesetzt werden sollen: Der Gesetzentwurf soll bereits am 29. April im Kabinett beschlossen werden. Zwei Wochen seien nicht ausreichend, um ein Sparpaket dieser Tragweite ernsthaft mit den Betroffenen zu diskutieren.

Die Hoffnung auf einen politischen Neustart für die Apotheken dürfe jetzt nicht leichtfertig verspielt werden, bekräftigen die beiden Vorsitzenden der Gewerkschaft abschließend. Man werde die parlamentarische Beratungen genau beobachten, sich beratend einbringen und sich gegen Maßnahmen wehren, die die Apothekenangestellten weiter belasten.

TEILEN
Datenschutz
THEMEN
Adexa
Mehr von Avoxa