Blaue Flecken, die ungewöhnlich oft auftreten, sollten ärztlich abgeklärt werden. / © Getty Images/Liudmila Chernetska
Machen Eltern so eine Beobachtung, sind sie oft verunsichert, wie Carmen Escuriola‑Ettingshausen vom Hämophilie‑Zentrum Rhein‑Main beschreibt: »Besonders erstmalige Eltern machen sich Vorwürfe und denken: Um Himmels willen, haben wir unser Kind so fest angefasst?« Dabei haben sie gar nichts falsch gemacht – es steckt eine Krankheit dahinter.
Bei Hämophilie fehlt ein Gerinnungsfaktor im Blut. Das erschwert es dem Körper, Blutungen zu stillen. Die Erkrankung wird durch einen Gendefekt ausgelöst und betrifft Kinder von Geburt an.
Man unterscheidet Hämophilie A und Hämophilie B, wobei erstere häufiger vorkommt. Grundsätzlich ist Hämophilie allerdings eine seltene Erkrankung. Betroffen sind überwiegend Jungen und Männer. Nach Angaben des Portals »gesund.bund.de« haben etwa 2 von 10.000 Männern Hämophilie.
Was sind Anzeichen, bei denen Eltern an die Blutgerinnungsstörung denken sollten? Erstmal gilt: »Es gibt extrem starke und weniger starke Bluter«, so Carmen Escuriola‑Ettingshausen. »Üblicherweise wird es auffällig, wenn die Kinder in Bewegung kommen – wenn sie anfangen, sich umzudrehen, zu robben oder laufen zu lernen«, so die Expertin. Hat das Kind dann ungewöhnlich viele blaue Flecken, ist das ein Alarmzeichen. Doch auch ein Nabel, der nach der Geburt nicht gut verheilt, oder Kratzwunden, die dauerhaft bluten, können frühe Hämophilie‑Anzeichen sein.
Dann ist eine ärztliche Abklärung angeraten. Dabei wird das Blut des Kindes auf einen Mangel an Gerinnungsfaktor VIII (Hämophilie A) oder IX (Hämophilie B) untersucht. Die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen, ist wichtig. Eine unerkannte und unbehandelte Hämophilie kann mit der Zeit mitunter gefährliche Hirn‑ und Gelenkblutungen mit sich bringen.
Die gute Nachricht: Ist die Krankheit erst einmal festgestellt, lässt sie sich gut behandeln – und zwar mit Injektionen, die den fehlenden Gerinnungsfaktor ersetzen. Das ermöglicht ein nahezu normales Aufwachsen. »Im Alltag ist es fast, als hätte das Kind keine Hämophilie A«, so Escuriola‑Ettingshausen.
Es gibt zudem Fortschritte bei der Therapie, etwa die Gentherapie oder neue Wirkprinzipien.