| Katja Egermeier |
| 10.09.2026 10:00 Uhr |
Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat weiterhin davor gewarnt, dass eine Therapie mit Präparaten wie Ozempic® und Wegovy® mit einem erhöhten Risiko für die Augenerkrankung NAION verbunden sein kann – wenn auch in sehr seltenen Fällen. Bei der nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) ist der Blutfluss zum Sehnerv gestört. Das kann bis zum Sehverlust führen. Die EMA empfiehlt, bei einem plötzlichen Sehverlust oder einer raschen Verschlechterung des Sehvermögens während der Behandlung mit Semaglutid unverzüglich einen Arzt aufzusuchen und bei Bestätigung einer NAION die Behandlung abzubrechen.
Ein eher optisches Problem kann das sogenannte Ozempic-Face werden. Denn durch die Abnehmspritze wird nicht nur die Körpersilhouette schmaler, sondern auch das Gesicht. Die Folge: deutlich tiefere Falten, eingefallene Wangen und schlaffe Haut, vor allem an der Kinnpartie. Denn auch dort gehen Fettreserven verloren. »Durch die Abnehmspritzen kommt es zu einem Fettgewebeverlust. Dann fehlen sozusagen die Federn, die das Kissen füllen. Die Hülle ist noch intakt«, erklärt Professorin Dr. Christiane Bayerl von der Gesellschaft für Dermopharmazie auf Nachfrage von PTA-Forum.
Immer mal wieder erhalten die Arzneimittelbehörden Berichte zu Haarverlust (Alopezie) als potenzieller Nebenwirkung einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA). Insbesondere für die häufig eingesetzten Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid liegen Meldungen vor. In einer im »British Medical Journal« erschienenen Studie haben Forschende daher anhand Zehntausender Patientendatensätze untersucht, ob das Alopezie-Risiko unter GLP-1-Rezeptoragonisten größer ist als bei anderen Antidiabetika.
Das Ergebnis: Im Vergleich zu SGLT-2-Hemmern war das Risiko für eine klinisch dokumentierte Alopezie unter GLP-1-Rezeptoragonisten um 37 Prozent erhöht. Die absoluten Zahlen waren jedoch gering. So trat die mögliche Nebenwirkung nur 6,91-mal beziehungsweise 5,04-mal pro 1000 Personenjahre auf. Ähnliches gilt für den Vergleich mit den DPP-4-Hemmern. Weitere Analysen ergaben, dass dieser Zusammenhang speziell für die nicht narbenbildende Alopezie galt, bei der die Haarfollikel intakt bleiben und somit die Möglichkeit eines Nachwachsens besteht.
Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass ein schneller Gewichtsverlust ein allgemein anerkannter Auslöser für Haarausfall sein kann. Zudem können Eisen- oder Zinkmangel sowie hormonelle Veränderungen den Haarwachstumszyklus beeinflussen. Ob der beobachtete Zusammenhang auf die Medikamente selbst oder indirekt auf die Gewichtsabnahme zurückzuführen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.