| Katja Egermeier |
| 10.09.2026 10:00 Uhr |
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verwendung von Abnehmspritzen bei gleichzeitiger Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren. Dr. Susan Zeun, Fachärztin für Klinische Pharmakologie und Expertin für Phytotherapie, geht davon aus, dass die Abnehmspritze auch die Wirkung einer HRT beeinflussen könnte. Denn nicht nur Nahrung verweile durch die Wirkung der Abnehmspritze länger im Magen, auch oral eingenommene Medikamente würden verzögert weitergeleitet. Und das gelte auch für das Hormon Gestagen, das in der Regel Teil einer HRT ist und Frauen, deren Gebärmutter nicht entfernt wurde, vor krankhaften Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und im schlimmsten Fall vor Gebärmutterkrebs schützt. Durch die verzögerte Magenpassage könne sich die schützende Wirkung des Gestagens unter Umständen nicht wie gewünscht entfalten – ohne dass betroffene Frauen es bemerkten.
Auch ungeplante Schwangerschaften zählen zu den möglichen Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie mit GLP-1-Analoga. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hin. Nehmen Frauen ab, reguliert sich häufig der Zyklus besser, und die Chancen für eine Schwangerschaft steigen. Zudem wird vermutet, dass diese Medikamentenklasse auch die Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva beeinträchtigen könnte, durch Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall oder verzögerte Magenentleerung.
Im Sommer 2026 lieferten Jonathan Zontag und Nir Zontag von der Hebräischen Universität in Jerusalem im Fachjournal »JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery« Hinweise für ein Auftreten von Geruchs- und Geschmacksstörungen unter der Anwendung von Inkretinmimetika. Ihre Analyse ergab, dass in den ersten zwei Jahren einer Behandlung mit GLP-1-RA ein um 48 Prozent erhöhtes relatives Risiko für das Auftreten von Geruchs- und Geschmacksstörungen besteht. En détail war das Risiko für Geruchsstörungen um 81 Prozent und das für Geschmacksstörungen um 52 Prozent erhöht. Die absoluten Zahlen betroffener Patienten waren aber sehr gering. Da die Analyse zudem auf Diagnoseschlüsseln in Krankenakten und nicht auf objektiven Geruchs- oder Geschmackstests beruhte, zeigen die Daten lediglich einen Zusammenhang auf.
Arzneistoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung des Darmhormons Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) nach. Sie fördern glucoseabhängig die Insulinausschüttung, senken die Glucagonfreisetzung, verzögern die Magenentleerung und reduzieren das Hungergefühl.
In Deutschland sind folgende Präparate zum Gewichtsmanagement zugelassen – ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 beziehungsweise bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung ab einem BMI von 27:
Nicht (oder noch nicht) spezifisch zur Gewichtsreduktion zugelassen (nur Typ-2-Diabetes):
Zwar werden die meisten GLP-1-basierten Medikamente bislang als Injektion verabreicht, seit September 2026 ist mit Wegovy® jedoch auch eine Tablette erhältlich. Die Forschung konzentriert sich inzwischen auf weitere orale Präparate sowie auf neue Wirkstoffe wie Retatrutid, die die Wirksamkeit der bisherigen Medikamente noch übertreffen könnten.
(aktualisierter Archivartikel, im Original erschienen am 19.11.2025)