Auch wenn eine Bewertung der neuen Gemüseteile noch fehlt, sind schon jetzt durchaus pflanzliche Inhaltsstoffe bekannt, die schädlich wirken können. Dazu zählen unter anderem Nitrat oder Solanin. Vor allem Blattsalate wie Rucola, Spinat und Mangold, aber auch Radieschen und Rote Bete reichern Nitrat vor allem in Stielen, Blattrispen und den äußeren Blättern an. Solanin steckt in den Blättern, den Stielen und dem Stielansatz von Tomaten, besonders viel enthalten grüne Tomaten.
Auch grüne und stark keimende Kartoffeln und Kartoffelschalen stellen eine Quelle für den unerwünschten Pflanzenstoff dar. Es sind zwar nur wenige Vergiftungsfälle bekannt, dennoch raten die Experten des BfR vom Verzehr ab und warnen explizit vor Snacks aus Kartoffelschalen. Von den Leaf-to-Root-Vertretern werden sie gerne als Chipsersatz angepriesen oder als knusprige Zutat im Kartoffelpüree genutzt.
Die Autorin Esther Kern beschreibt einen Versuch mit fermentierten Kartoffelkeimen, und im Internet ist die Rezeptidee zu finden, aus rohen Kartoffeln Eis herzustellen und sie mit kandierter Kartoffelschale zu bestreuen. Das zeigt, wie erschreckend sorglos viele mit den »neuen« Gemüseteilen umgehen. Aus Sicherheitsgründen sollte auf solche Experimente auf jeden Fall verzichtet werden.
Ungenießbar sind auch Rhabarberblätter, die reichlich Oxalsäure enthalten. Die Säure bindet Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Eisen und begünstigt die Entstehung von Harnsteinen.
Ernährungsexperten raten davon ab, Aprikosen- oder Avocadokerne zu essen. / © Adobe Stock/dream@do
Auch vor dem Verzehr von Avocado- und Aprikosenkernen muss gewarnt werden. Auf etlichen Foodblogs im Internet ist derzeit zu lesen, dass die Kerne hervorragende Zutaten wären, um bestimmte Gerichte mit Nährstoffen und Geschmack zu bereichern. Gemahlene oder geröstete und dann geriebene Avocadokerne werden beispielsweise als nährstoffreicher Zusatz in Müsli, Smoothies und Gebäck empfohlen. Der Kern enthält tatsächlich sekundäre Pflanzenstoffe wie phenolische Verbindungen und Antioxidanzien, Kalium und Ballaststoffe.
Gleichzeitig ist aber Persin enthalten, eine giftige Fettsäureverbindung, die Tieren schadet oder sogar zum Tod führt. Ob der Verzehr, vor allem in größeren Mengen, den menschlichen Organismus schädigt, ist noch nicht geklärt, ebenso wenig steht die Unbedenklichkeit fest. Ernährungsexperten raten daher sicherheitshalber vom Verzehr ab. Im Internet geschilderte positive Effekte des Kernekonsums, beispielsweise als Abnehmhilfe, sind bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen.
Bei Aprikosenkernen ist ebenfalls Vorsicht angebracht. Sie werden schon seit geraumer Zeit vor allem im Internet mit dem Versprechen angeboten, gegen Krebs wirksam zu sein. Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit gibt es jedoch nicht. Schon beim Verzehr weniger Aprikosenkerne kann es allerdings aufgrund des Gehalts an Amygdalin, einem cyanogenen Glykosid, zu Vergiftungserscheinungen kommen. Denn während des Zermahlens, des Zerkauens und der Verdauung wird daraus die toxische Blausäure freigesetzt. Experten des BfR raten daher, dass Erwachsene maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag essen sollten, Kleinkinder sollten solche Kerne überhaupt nicht verzehren. Die zuständige EU-Kommission hat erst 2017 einen neuen Höchstgehalt von 20 Milligramm Blausäure je Kilogramm Kerne festgelegt. Die tödliche Dosis liegt bei 0,5 bis 3,5 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht.