| Isabel Weinert |
| 22.05.2026 08:00 Uhr |
Hitze kann die Wirkung von Antihypertonika verstärken. Der Blutdruck sinkt dann zu stark ab. Das gilt in besonderem Maße für ACE-Hemmer, Sartane und Calciumkanalblocker. PTA können ihren Patientinnen und Patienten raten, den Blutdruck häufiger als sonst zu kontrollieren. Besonderen Einfluss haben auch Diuretika. Eine Austrockung und ein starker Verlust an Elektrolyten werden bei Hitze wahrscheinlicher. Wichtig: Bei auffallend niedrigen Blutdruckwerten nicht eigenmächtig an der Dosierung herumwerkeln. Ob und wie deutlich die Dosis gesenkt werden muss, obliegt immer der Entscheidung des Arztes. Gerade bei Menschen mit Herzinsuffizienz gilt besondere Aufmerksamkeit, denn einerseits ist Entstauung notwendig, andererseits dürfen sie nicht dehydrieren. Hier können auch Symptome wie Verwirrtheit und eine verringerte Harnausscheidung auf eine gefährliche Situation im Organismus hinweisen.
Zu den bei Hitze besonders gefährdeten Menschen gehören auch jene mit Diabetes. Gespritztes Insulin kann wegen der stärkeren Hautdurchblutung schneller wirken, das begünstigt Hypoglykämien. Weil der Stoffwechsel bei großer Hitze aber auf Dauer eher herunterfährt und Menschen eher träger macht, können die Blutzuckerwerte auch stärker als gewohnt ansteigen, weil Bewegung fehlt. Hitzestress, der für mehr Cortisol und Adrenalin – bekanntermaßen Gegenspieler von Insulin – im Körper sorgt, treibt den Blutzucker in die Höhe.
Um seinen unvorhersehbaren Verlauf bei Hitze rechtzeitig zu erkennen und gegensteuern zu können, müssen Diabetiker ihren Blutzucker häufiger messen. Sie dürfen ihren Traubenzucker nicht vergessen, damit sie Unterzuckerungen schnell regulieren können, sollten ausreichend trinken und auf Alkohol möglichst verzichten. Er begünstigt starke Unterzuckerungen. Hinzu kommt der bei Hitze geringere Appetit. Dann isst man womöglich weniger Kohlenhydrate, als es für die gespritzte Insulinmenge bräuchte. Dann lieber weniger Insulin injizieren und so auch nicht über fehlenden Appetit hinwegessen müssen.
Achtung: Hitze zerstört Insulin. Pens also nie im Auto vergessen oder die Tasche, in der sich die Pens befinden, versehentlich im Schwimmbad in die Sonne stellen. Und beim Verreisen immer darauf achten, fremde Kühlschränke erst auf deren Temperatur zu prüfen. Denn ebenso wenig wie Hitze darf Insulin zu große Kälte abbekommen. Gefriert es, ist es unbrauchbar.